DMR Magazin - Logo and Navigation

content area

FORTSETZUNG: Am Anfang steht die E-Mail
Schrift: - +

Unschön ist auch die Angewohnheit, bereits erhaltene, alte Mails als Template für eine neue E-Mail an den Absender zu nutzen und dabei den Betreff nicht zu ändern. Der Sender hat den Vorteil, dass er die Adresse nicht suchen muss. Der ­Empfänger aber hat das Vergnügen, sich mindestens zu wundern, was denn der alte Betreff mit dem neuen Inhalt zu tun hat – falls er die Mail je öffnet, denn wenn der alte Betreff auf eine längst ­erledigte Angelegenheit hinweist, könnte es schon sein, dass er sie in Eile zurückstellt und dann irgendwann für obsolet hält. In diesem Fall wäre die gegenseitige Wertschätzung auf jedenfall ausge­glichen: „Ich lese Deine E-Mails nicht, wenn Du Dir nicht die Mühe machst, E-Mails an mich mit dem ­korrekten Betreff zu versehen.“

Die Ketten-Sünde programmiert Missverständnisse auf Sach- und Beziehungsebene vor

Der Absender hat sich nicht die Mühe gemacht, die Änderungsvorschläge zusammenzufassen beziehungsweise zu bearbeiten. Soll der Empfänger doch sehen, wie er zurechtkommt!  Wenn es sich um mehrere Empfänger handelt, hat man damit gleich den Aufwand vervielfacht – das trägt zur Performance des Unternehmens bei ...

Die Weiterleitung von E-Mailketten hat noch andere Tücken: So ist beim schnellen Weiterleiten oft nicht geprüft, ob nicht in der dritten E-Mail von unten eine Information oder Bemerkung steht, die der neue Empfänger nicht haben soll. Sei es, weil ihn diese Information nichts angeht oder weil ihn die Bemerkung verletzten könnte. Ja, klar, man soll keine Beschimpfungen oder spitze Bemerkungen in E-Mails schreiben, weil diese eben Beine bekommen – aber nicht nur der Erstabsender, auch der Weiterleiter hat eine Verantwortung für das, was er weiterleitet. Besonders pikant kann das werden, wenn es sich hier um eine Zusammenarbeit mit Kunden oder Lieferanten, also über ­Firmengrenzen hinweg, handelt.

Der Spezialfall der Kette ist das Mail-Ping-Pong. Sender und Empfänger schreiben sich die Finger wund mit mehreren Mails hin und her, um diffizile Sachverhalte zu klären, und erzeugen damit bei Anderen eine gewisse Wut und Verzweiflung. Warum nicht mal miteinander telefonieren? Da ist Rede und Gegenrede doch oft sehr schnell klärend.

Die Vermeidungssünde beeinträchtigt die Wertschätzung

Weiter
Artikel bewerten
(2 Bewertungen)

Seite 1 Seite 2 Seite 3 Seite 4 Seite 5 Seite 6 Seite 7

marginal box area


footer area navigation