Vorbilder gesucht
Nun haben etliche Firmen bereits einen E-Mail-Knigge. Haben heißt: Man kann ihn im Intranet finden. Die wenigsten Mitarbeiter kennen ihn allerdings, und auch davon halten sich nicht viele an ihn.
So nutzt er nichts, weil sich keiner daran hält. Und es hält sich niemand daran, weil gerade Führungskräfte mit schlechtem Beispiel vorangehen und natürlich deswegen Nichtbefolgen nicht sanktioniert wird. Das eigene Beispiel von oben aus der Hierarchie ist allemal mächtiger als schön formulierte Regeln. Denn wie hat sich der Mailverkehr als das gängige Medium der Firmenkommunikation durchgesetzt? Indem der Chef über dieses Medium – und nur über dieses – zu seinen Besprechungen eingeladen hat. Es ist also wieder Zeit für ein Vorbild!
Wenn Sie der Meinung sind, dass Transparenz in der Kommunikation die Effizienz und Effektivität in Ihrem Unternehmen deutlich fördert, Sie sich also verantwortlich für die Klarheit Ihrer E-Mails fühlen, begehen Sie die aufgezählten Sünden nicht mehr. Überzeugen Sie Ihren Chef und Ihre Management-Kollegen, indem Sie (moderat) auf die Sünden der Kollegen reagieren – vor allem mit Ich-Botschaften über die Selbstoffenbarung des Senders und was sein Kommunikationsverhalten für die Wertschätzung der Beziehung bedeutet. Bezüglich Ihrer Mitarbeiter haben Sie durchaus die Möglichkeit, auf Sünden mit klarer Ansage zu reagieren – aber bitte unter vier Augen und Ohren. Das heißt, am besten nicht per E-Mail! Überzeugen Sie die Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen, die Trainings durchführen, dass E-Mail-Kommunikation tatsächlich ein Thema für das Training von Mitarbeitern ist, vielleicht sogar im Rahmen von Wertediskussionen. Möglicherweise lässt sich auch Ihr CEO als mächtiger Sponsor gewinnen und verleiht dem Thema die nötige Wichtigkeit von ganz oben. Aber knirschen Sie weiterhin mit den Zähnen und sagen Sie nichts, wenn Ihr Kunde alle aufgezählten Sünden begeht – es sei denn, Sie sind der dafür bezahlte Kommunikationstrainer.
Erschienen in DMR 03/2009
Weiter