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Betreiber zwischen Scylla und Charybdis
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Betreiber zwischen Scylla und Charybdis

Wieviel Differenzierungspotenzial bietet die Leistungsfähigkeit der Netze?



Auch modernste Telekommunikationsnetze hinken aktuell den meisten Marketingversprechen hinterher. Der Bedarf an Präsenz und Geschwindigkeit in allen Netzebenen enteilt zusehends der Realität, die natürlich hauptsächlich durch kommerzielle Bedingungen eingeschränkt ist. Wir nähern uns einer Situation, die von einem altbekannten Problem zu einem lebensbedrohlichen Zustand für Betreiber mutiert. Ist dies wirklich so und – wenn ja – warum gerade jetzt? Wie könnten Netzbetreiber dem Problem entkommen, ohne in die Kostenfalle zu geraten?

Sigbritt Löthberg, eine 75-jährige Seniorin aus Karlstad in Zentralschweden, hat die schnellste Internetverbindung der Welt (http://www.thelocal.se/7869/20070712/): 40 Gbit/s – um genau zu sein: 42.949.672.960 Bit/s. Damit kann sie theoretisch auf zirka 1.500 hochauflösende HD (High Definition) TV-Programme gleichzeitig zugreifen oder einen ganzen Film in HD Qualität – heißt: eine komplette DVD – in etwa zwei Sekunden aus dem Internet herunterladen (sofern ein paar andere nicht zu unterschätzende Bedingungen gegeben sind – aber davon später). Offensichtlich differenziert sie sich damit von allen anderen Internetnutzern. Man muss ja nur die unendliche Reihe der Klagen Revue passieren lassen, die Foren füllen und die Hotlines der Betreiber zum Glühen bringen. Die Dame kann sich glücklich schätzen, einen Sohn zu haben – Peter Löthberg, in der schwedischen Internetszene wohlbekannt –, der bei einem bekannten Netzausstatter arbeitet und es den etablierten Betreibern mal so richtig zeigen wollte. Dabei ist es unerheblich, ob die gute Dame das alles wirklich braucht (natürlich nicht !). Wir wissen auch nicht, was das gekostet hat. Wir wissen aber sicher, dass kein Betreiber der Welt sich das leisten kann – wohlgemerkt, die Dame wohnt in Zentralschweden, offensichtlich eine Gegend mit geringer Bevölkerungsdichte.

Natürlich handelt es sich bei diesem Extrembeispiel um Glas­fasertechnik neuesten Zuschnitts, also einen Festnetzzugang. Mit derartigen Leistungsmerkmalen muss man sich um Bandbreite keine Sorgen machen. Aktuelle Festnetzanschlüsse aus Glas­faser, Kupfer oder Koaxialkabel sind davon ein ganzes Stück entfernt und keineswegs mehr auf der sicheren Seite. Das ­Dilemma von Scylla – steht in diesem Beispiel etwa für Kunden­unzufriedenheit oder gar Kundenschwund – oder Charybdis – Kosten für adäquaten Netzausbau – wird aber erst so richtig sichtbar im Bereich der mobilen Breitbandkommunikation. Wir reden hier nämlich von einer besonders schmalen Meerenge, die es Ungeheuern leicht macht: Mobile Kommunikation benötigt wertvolle (Frequenz-) Ressourcen, die nur in sehr begrenztem Umfang verfügbar sind. Es ist offensichtlich, dass damit ­keine gewaltigen Sprünge zu machen sind. Dies scheint aber niemanden zu stören: Aktuelle Mobilfunkgenerationen geben sich die Klinke in die Hand und versprechen Leistungsmerkmale, die selbst Festnetzanschlüssen Konkurrenz machen. Aus der Erfahrung der ersten Generationen von mobilen Breitbandzugängen wissen wir aber, dass zwischen Wunschdenken und Realität eine gewaltige Lücke klafft (Petry/Knospe, DMR 04/2007, „Mobile Breitbandnetze – was kommt da noch?“, Seite 32-37, Petry/Schultz, DMR 1/2009, „Geschwindigkeit ist keine Hexerei“, Seite 56-63). Was raten wir nun dem ­armen Seefahrer: Vorzugehen wie Odysseus und einige Seeleute zu opfern, um das ganze Schiff zu retten, oder auf eine höhere Instanz zu hoffen und damit ungeschoren davonzukommen wie Jason und die Argonauten durch die Hilfe von Hera, Gattin des Zeus? Nein, wir bevorzugen eher Aeneas, der es ohne Hilfe schaffte und den Ungeheuern geschickt aus dem Weg ging. Beginnen wir also ganz vorn: Studieren wir die Gefahr, ordnen sie realistisch ein und finden Wege, wie wir sie meistern können.

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