Da einfach nicht alles gleichzeitig geht, ist es von enormer Wichtigkeit, Marketingversprechungen und tatsächlichen Rollout besser zu koordinieren. Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Die Praxis zeigt aber häufig genau das Gegenteil. Zugegeben, realistische, das heißt konservative Versprechungen sind zunächst nicht attraktiv, stellen sich aber langfristig als die Strategie mit dem höherem Differenzierungspotenzial heraus. Das alleine reicht aber nicht. Es bleibt die Diskrepanz zwischen Märkten mit hoher Nutzerdichte und Gebieten mit sporadischer Breitbandnutzung. Optimale technische Lösungen und angepasste Rolloutstrategien unterscheiden sich in den beiden Fällen gravierend. Nutzung der Kupferinfrastruktur über DSL Techniken war (und ist) sicher eine gute Kompromisslösung, erweist sich im Rahmen eines weiteren Bandbreiteausbaus aber als asymptotisch: Aufwand und Komplexität wachsen stärker als die resultierende Leistungsfähigkeit.
Neuere technische und regulatorische Entwicklungen schaffen hier weiteres Differenzierungspotenzial: Luftschnittstellentechnik der 4ten Generation in Verbindung mit hinreichend niedrigen Frequenzen, die für flächige Ausbreitung und Gebäudedurchdringung besser geeignet sind. Naturgemäß sind diese attraktiven Bänder meist besetzt und müssen über langwierige regulatorische und politische Prozesse frei geräumt werden. Stehen sie dann endlich zur Verfügung, kommt die nächste Hürde: Für wertvolles und knappes Gut können die Lizenzkosten schnell explodieren. Es bleibt zu hoffen, dass aus dem Desaster der frühen 3G Auktionen gelernt wurde und Kosten und Nutzen in einem besseren Verhältnis stehen. Sollte es glückliche Gewinner geben, besitzen sie ein erhebliches Differenzierungspotenzial. Glasfaser und Breitbandfunk ergänzen sich in perfekter Weise: Geschickt dimensionierte integrierte Netze lösen das Problem der gleichzeitigen breitbandigen Versorgung von Gebieten mit hoher und niedriger Dichte, breitbandige Funksysteme brauchen ohnehin ein sehr leistungsfähiges (festes) Zuführungsnetz und können letztlich eine schnelle Erstversorgung zur Sicherung des (Breitband-) Marktpotenzials darstellen.
Ein weiteres, bisher vom Markt noch skeptisch gesehenes Differenzierungsmerkmal soll nicht unerwähnt bleiben. Wir wissen aus der Technik, dass mit wachsender Kapazität der Radius zellularer Systeme kleiner werden muss. An diesem Naturgesetz führt kein Weg vorbei. Wir sind alle mit WLAN vertraut, eine Technik, die dem obengenannten Prinzip folgt. Konsequent zu Ende gedacht kann man dies auf öffentliche (lizensierte) Netze übertragen. Entsprechende Technik gibt es bereits: sogenannte Femtozellen, im Prinzip gleichartig arbeitend wie WLAN, nur mit dem Unterschied, dass es sich um lizensierte Frequenzbereiche handelt. Zugegeben, ein paar kleine Probleme gibt es, die unter anderem auch ein Umdenken beim Netzbetreiber erfordern. Dem Aufwand steht jedoch ein erhebliches Differenzierungspotenzial gegenüber. Mit mikrozelluaren Konzepten lässt sich lokaler Verkehr sehr früh, kostengünstig und selektiv in leistungsfähige Festnetze leiten – sogenannter Traffic Offload –, ohne ein makrozellulares Netz unnötig zu belasten. Man kann leicht prognostizieren, dass eine derartige Strategie zur Bewältigung des Datenaufkommens unabdingbar ist. Wie eingangs gesagt: Wissen, was geht, differenziert.
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