Diese differenzierte Netzdimensionierung ermöglicht deutliche Einsparungen bei der Netzinfrastruktur – sie führt in der Regel aber auch zu einer leichten Verschlechterung der Übertragungsqualität des Best Effort-Verkehrs, weswegen Netzbetreiber die qualitätsdifferenzierte Netzplanung behutsam einführen sollten.
Sobald erst einmal die Möglichkeit besteht, Verkehre zu differenzieren, liegt der Gedanke nahe, die Verkehrsklassen mit höherer Dienstgüte auch teuerer zu verkaufen und so als Netzbetreiber – zusätzlich zu dem zuvor diskutierten Kostensenkungspotenzial – auch ein neues Umsatzpotenzial zu erschließen. Insbesondere bei Diensten für Geschäftskunden, etwa IP Virtual Private Networks (IP VPN) ist dies seit langer Zeit auch schon der Fall. Im Internet, wo Netzbetreiber das enorme Verkehrswachstum aus Mobilfunknetzen und Festnetz bewältigen müssen, gibt es hier jedoch ein gravierendes Problem: Das Internet ist eine lose gekoppelte Struktur von Netzen verschiedener Betreiber, das nach einem hop-by-hop-Modell betrieben wird – keiner liefert eine globale Internet-Reichweite. Es gibt noch keine etablierten Modelle, wie QoS betreiberübergreifend realisiert und kontrolliert werden kann, sondern nur erste Ansätze (Inter-provider Quality of Service, MIT Communications Future Program, http://cfp.mit.edu/docs/interprovider-qos-nov2006.pdf).
Erschwerend kommt hinzu, dass Verkehrsflüsse im Internet strikt unidirektional verlaufen, das heißt an der Übertragung von Paketen vom eigentlichen Sender zum Empfänger können andere Netzbetreiber beteiligt sein als bei der Übertragung in der Rückrichtung. Netzbetreiber sollten sich aber um eine Etablierung und Standardisierung von QoS-Mechanismen über Grenzen zwischen Betreibern hinweg bemühen, um die Vermarktung von Diensten mit einer kontrollierten Dienstgüte Ende-zu-Ende vermarkten zu können. Dies erscheint insbesondere deshalb möglich, da sich eine geringe Menge von Basis-Verkehrsklassen herauskristallisiert hat, die sich von Netzbetreiber zu Netzbetreiber schon jetzt nicht allzu sehr unterscheidet.
Neben technischen Herausforderungen bei der Differenzierung von Verkehrsklassen und der Vermarktung derselben ist hier die aktuelle Debatte zur Netzneutralität natürlich höchst relevant. Darf ein Netzbetreiber überhaupt bestimmte Verkehre bevorzugen und andere benachteiligen? Oder, um es mit einer anderen Art des Transports zu vergleichen: Werden wir in Zukunft Straßen haben, auf denen es für Lastwagen mit Bananen ein Tempolimit gibt, während Gurkentransporte freie Fahrt haben?
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