L. Brecht: Auf Seiten der Technologie sehe ich keinen Road Blocker. Aus meiner Sicht gibt es aber zwei Punkte, die zu Road Blockern werden können:
Erstens muss ein Unternehmen sich fragen, ob es überhaupt die Fähigkeit hat, mit diesen Daten intelligente Analysen durchzuführen und diese hinsichtlich möglicher Prozessverbesserungen auszuwerten. Die analytische Funktionalität in einem Unternehmen bereit zu stellen, ist ein extremes Manko in Unternehmen.
Zweitens gibt es noch vom jeweiligen Land abhängige Faktoren: Man kann viel messen, aber nicht immer alles ableiten. Man ist eingebettet – ich sage es mal ganz offen – in Gewerkschaften, die vielleicht nicht alles zulassen. Da ist man sicher limitiert, aber das ist länderspezifisch. Das ist für mich ein großer Road Blocker.
Wenn Sie soweit gehen, wie in Ihrer Frage beschrieben, dann können Sie jeden Mitarbeiter monitoren. Sie können messen, wie viele Transaktionen er am Tag ausübt. Wie viele Transaktio-nen er beispielsweise bei einer Auftragsabwicklung wann und wie gemacht hat. Das ist sicherlich eine Gratwanderung.
DMR: Eine durchgängige Performance-Messung von Prozessen führt zu einem immensen Informations- und Datenvolumen, deren Verarbeitung unter Umständen einen hohen Aufwand bedeutet. Wo ist der Grenznutzen? Wie viel Transparenz ist überhaupt gut und wirtschaftlich für ein Unternehmen?
L. Brecht: Das ist eine schwierige Frage. Ich muss mich auf die Prozesse konzentrieren, die letztendlich über meine Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Es handelt sich typischerweise um drei bis fünf Prozesse oder noch weniger. Diese kann ich ausmessen, um im Folgenden auch diese analytischen Tools einsetzen zu können, die langsam am Markt im Entstehen sind. Denn nur dann habe ich einen Nutzen. Aber ich werde das sicherlich nie flächendeckend für das gesamte Unternehmen einsetzen können.
Vor 15 oder 20 Jahren hatte man die hehre Vorstellung, ein unternehmensweites Datenmodell zu basteln, was kläglich gescheitert ist. Ich sehe hier ein ähnliches Risiko. Man hat allerdings einen Nutzen, wenn man nur die wettbewerbsentscheidenden Prozesse betrachtet und diese versucht, zu quantifizieren. Man wird dies aber nie ganz ausrollen, da man sonst einen negativen Grenznutzen bekommt.
DMR: Wie können Unternehmen durch intelligente Verzahnung von Prozessmanagement und IT – zum Beispiel über Business Service Management – zusätzliche Wertschöpfungspotenziale identifizieren?Weiter