Gefährdungspotenzial und Datenmissbrauch sind allgegenwärtig
Informationen werden im Netz auf vielfältige Weise eingestellt, verbreitet und genutzt. Eine Kontrolle, wer Zugang zu welchen Informationen erhält, ist nur rudimentär beziehungsweise gar nicht gegeben. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf Soziale Netzwerke gelegt. Die Betreiber dieser Netzwerke bestätigen die Notwendigkeit des Datenschutzes – in der Praxis liegt jedoch noch einiges im Argen, effektive Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre sind nicht gegeben. Die Verstöße sind teilweise so groß, dass die Electronic Frontier Foundation (EFF) von Google in den USA ein Abschalten einiger seiner Services verlangt. In Deutschland zielt der Verbraucherzentrale Bundesverband auf eine Verschärfung der Datenschutzrichtlinien von StudiVZ, Facebook, MySpace und einigen anderen Sozialen Netzwerken.
Auch wenn viele Webnutzer ihre Daten nur sehr spärlich im Netz einstellen, so existieren doch ausgeklügelte Methoden, um von Drittdaten wie Surfgewohnheiten, Interaktionen mit Freunden oder von Institutionen eingestellten Daten auf private Daten der Nutzer zurück schließen zu können. IBM hat bereits vor Jahren einige Algorithmen für die effiziente Datensammlung und Datenkorrelation vorgestellt mit dem Ziel, eine Person transparenter machen zu können. Laut dem Buch „Die Numerati“ wird bereits jetzt ein großer Teil der Bevölkerung von starken Institutionen überwacht.
Eine neue Datenqualität wird nun durch das mobile Internet auf leistungsfähigen Endgeräten gegeben. Diese Geräte bieten viele zusätzliche Dienste wie GPS Lokalisierung, Kamera, Kompass oder Orientierungssensor, die neue und mehr Informationen über Nutzungsgewohnheiten liefern. Die gesammelten Daten verraten viel mehr über einen Nutzer als Daten von stationären Geräten. Durch oftmals verfügbare SDKs3 können diese mobilen Geräte problemlos von Hobbysoftwareentwicklern programmiert werden. Eine erste Qualitätskontrolle und die Verteilung der so entstandenen Applikationen auf die mobilen Endgeräte weltweit wird durch die Hardwarehersteller beziehungsweise Netzbetreiber durchgeführt, so dass ohne das Zutun der Entwickler eine sehr weite Verbreitung erreicht werden kann. Apple’s AppStore und Google’s Android Marketplace sind die zurzeit erfolgreichsten Vertriebskanäle. Eine einmal installierte Anwendung hat nun Zugriff auf die bereits genannten Handyfunktionen und auch weitere eindeutige Nutzerkennungen. Diese Informationen können nun zwischen der Applikation und einem beliebigen Server im Web ausgetauscht werden. Somit kennt ein Applicationprovider den Aufenthaltsort, die Geräte-ID und das Nutzerverhalten im Bezug auf diese Anwendung. Ein neu angebotener Service vom Datenaggregator „Pinch Media“ sammelt genau diese Informationen, womit sich Entwickler ein genaues Bild des Nutzers machen können. Einerseits dient dies der Verbesserung der Applikation, andererseits wirft diese Praxis natürlich viele Fragen zum Datenschutz auf.
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