Auch in einem derart integrierten Umfeld ist das Eingehen einer lockeren Verbindung mit anderen Betreibern – ähnlich der Fluggesellschaften in der Star Alliance oder der kürzlich gegründeten WAC – unerlässlich. Dies ist ein besonders überzeugender Treiber, da viele der in der WAC zusammenarbeitenden Player dort nicht in ihren eigenen Märkten miteinander konkurrieren. Es ermöglicht ihnen, eine zentrale Form der Differenzierung gegenüber den „Best-Effort“-Web-Playern und den Kabelanbietern zu erzielen, die die mobile Komponente nicht anbieten können. Mit diesem Ansatz kann der Betreiber Entwickler dafür gewinnen, sich über das mobile Umfeld hinauszubewegen und unter Nutzung der aus dem mobilen Umfeld resultierenden „Lessons learnt“ einen völlig neuen Markt zu erschließen.
Architektonisch: Zieht der Betreiber eine Service-Delivery-Plattform in Betracht, dann hat er mehrere Optionen für den Setup. Ein vielversprechender Ansatz, der sich primär aus der Web-Welt entwickelt hat, ist Cloud Computing. Da die Zahl der Entwickler und Anwender in diesem Umfeld steigt, liegt der wesentliche Vorteil einer Cloud-basierten Plattform für den Betreiber in der problemlosen Skalierbarkeit. Bei einem herkömmlichen Setup musste der Betreiber gleich zu Beginn die Plattform zur Anpassung der Parameter, zum Beispiel die Anzahl der Concurrent User, Transaktionen, Verkehr, dimensionieren. Mit einem Cloud-Ansatz hingegen kann ein Betreiber, insbesondere wenn er über begrenzte Ressourcen verfügt, die Skalierung in Einklang mit dem Anstieg vornehmen. Darüber hinaus muss unbedingt beachtet werden, dass der Umgang mit Daten, die Anwenderdatenschutz, Finanzgeschäfte und Datensicherheit betreffen, mit äußerster Sorgfalt zu erfolgen hat. Insofern ziehen es viele Betreiber vor, sensitive Daten intern und weniger sicherheitskritische Anwendungen, zum Beispiel UGC-Content, Cloud-basiert zu verwalten. Das kann sich im Laufe der Zeit ändern, nämlich dann, wenn Cloud-Providern die Einführung neuer Technologien zur Behebung der aktuellen Mängel gelingt.
Ein anderer Aspekt ist die Entwicklungsumgebung für Dritte, und zwar unabhängig davon, ob die Entwicklung Cloud-basiert oder offline mit Unterstützung eines SDKs erfolgt. Während die Software-Entwicklung heutzutage von vielen Release-Zyklen und niedrigeren Zuverlässigkeitskriterien abhängt, achten Telcos bei der Erbringung von Diensten auf hohe Zuverlässigkeit (0,99999 etc.). Hinzu kommt, dass viele Entwickler nicht über ausgeprägte Erfahrungen verfügen, wenn es um Aspekte wie Sicherheit, rasche Skalierbarkeit und Leistung unter Spitzenlast-Bedingungen geht. Auch mangelt es ihnen häufig an Ressourcen, um ihre Systeme vor der Freigabe ausreichend zu testen. Eine Möglichkeit, bei der der Betreiber den Entwickler unterstützen könnte, wäre die Entwicklung einer Sandbox-Plattform. Diese Plattform würde sämtliche Features und Funktionen der zentralen Plattform bereitstellen, aber von der Wirkbetriebsumgebung unabhängig sein. Außerdem würde sich diese Sandbox durch einen niedrigeren Grad an Governance und geringere Nutzungseinschränkungen auszeichnen. Die Zielsetzung in diesem Zusammenhang wäre, dem Entwickler eine möglichst kreative und uneingeschränkte Umgebung für Innovationen ohne Einschränkungen einer rigiden Telco-Infrastruktur zu ermöglichen. Dies würde den gesamten Entwicklungsprozess beschleunigen und dem Betreiber als auch dem Entwickler ein Gefühl für das Endergebnis vermitteln, bevor die Produktion in vollem Umfang anläuft. Viele Betreiber-Sandboxen verfügen über zahlreiche andere Features und Funktionen, die es dem Entwickler ermöglichen, ein Gefühl für das aktuelle Betriebsumfeld zu erlangen. Dies könnte eine dynamische Nutzung von Rechenleistungsressourcen ebenso beinhalten wie Crowdsourcing, um die Absatzentwicklung der Anwendung und unterschiedlichen Monetisierungsergebnisse bestimmen zu können.
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