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Die Insel und der Ozean: Borg 3.0
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Die Insel und der Ozean: Borg 3.0

Essay: Auch Web 3.0 ist keine Kristallkugel





Kennen Sie Alex Tew? Nein? Nun, er ist offensichtlich so bekannt, dass er immerhin noch 4602 ungelesene E-Mails in seinem Postfach hat, weitere 5998, die er noch beantworten will (viel Spaß Alex!) und hunderte neuer Mails, die jeden Tag auf seine Festplatte strömen. Alex ist, finde ich, ausgesprochen kreativ gewesen, um seine im wahrsten Sinne des Wortes löchrigen Socken zu stopfen. Er hat eine Weile versucht, seine Ausbildungskosten über diverse Jobs zu finanzieren, was aber nicht so richtig funktioniert hat. Außerdem war Alex der Meinung, er sei eher der kreative Typ. Also fläzte er sich an einem späten Abend im Sommer 2005 auf sein Bett und begann ein Brainstorming mit sich selbst. Das Ergebnis: „The Million Dollar Homepage". Spätestens jetzt werden Sie sich vermutlich erinnern. Klar, das war doch der verrückte Student mit der beneidenswert genialen Idee, jeweils einen Pixel für einen Dollar für Werbeanzeigen auf seiner extra dafür entwickelten Homepage zu verkaufen. Alex hat seine Million zusammen und ob er tatsächlich noch studieren will, geht aus seiner Homepage nicht hervor. Das letzte Update ist vom 26. Oktober 2005.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Ganz einfach. Es steckt zweierlei darin: Erstens eine neue Erfahrung von Nichtwissen, es sei denn, Sie gehören zu den Lesern, die sich tatsächlich an Alex erinnern, weil Sie eine Diplomarbeit über unkonventionelle Geschäftsmodelle im Web 2.0 geschrieben haben. Allerdings dürften Sie vermutlich mit den Schultern zucken, denn es ist für Sie schlicht unbedeutend, ob Sie Alex kennen oder nicht. Aber damit haben wir eine sehr wohl bedeutsame Unterscheidung eingeführt: nämlich die von relevantem und irrelevantem Nichtwissen. Was aber relevantes Nichtwissen für Sie ist und was nicht, können Sie nur entscheiden, wenn Ihnen Ihr Nichtwissen bewusst ist. Achtung: Das heißt nicht, dass Sie Ihr Nichtwissen in Wissen transformiert haben. Sie können sehr wohl wissen, dass Sie nicht wissen, woher der Zen-Buddhismus kommt oder wer Dietrich Schwanitz ist. Aber erst dann können Sie sich entscheiden, ob Sie diese minder bedeutsamen Bildungslücken mit Wissen auffüllen sollten. Damit Sie sich bezüglich Herrn Schwanitz nicht den Kopf zerbrechen: Er ist der Autor des leicht anmaßenden Buches „Bildung. Alles was man wissen muss." Denn: Woher weiß Herr Schwanitz, was Sie oder ich wissen müssen?

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