Die Schöne und das Biest
Komplexitätstreiber Wachstum stellt hohe Anforderungen an organisatorische Gestaltung
Das Wachstum voranzutreiben ist erklärtes Ziel fast aller Manager. Doch der Glanz der Zahlen verblasst nicht selten, wenn mit der Unternehmensgröße auch die Komplexität im Unternehmen wächst. Diese zu beherrschen stellt hohe Anforderungen an die Gestaltung der Organisation.
Vielfach wird Größe mit Komplexität einfach gleichgesetzt. Doch ist diese Gleichsetzung angemessen? Warum überhaupt Unternehmenswachstum, wenn man sich damit offenbar mehr Komplexität einhandelt? Und: Wie handhabt man Komplexität, wenn das Unternehmen auf Wachstum ausgerichtet ist?
Diesen Fragestellungen aus organisatorischer Perspektive nachzugehen, bietet sich an – zum einen, weil Unternehmenswachstum stets mit Restrukturierungen und/oder organisatorischer Integration einhergeht, zum anderen, weil spätestens seit Luhmann gerade die Organisationstheorie zum Thema Komplexität einiges beizutragen hat.
Größe ist eine unternehmerische Zielsetzung
Große Dinge begeistern. Plastisch wird dies beispielsweise in der Architektur: Weltweit sind die alten und neuen Symbole von Macht, Wohlstand und Kraft zu betrachten und bewundern. Denken Sie an an den Eiffelturm, die Pyramiden, die Kathedralen der Gotik oder die neuen Bauten des aufstrebenden China, wie das als Vogelnest bezeichnete Olympiastadium, und den im Bau befindlichen Burj Dubai, aktuell höchstes Bauwerk der Erde.
Auch Unternehmer und Manager streben nach Größe, und zwar nach Unternehmensgröße. Der Weg dazu ist oftmals das Ziel: Wachstum. Dabei spielen persönliche Motive sicher auch eine wesentliche Rolle. Aber auch bei nüchterner, betriebswirtschaftlicher Betrachtung ist Größe zunächst einmal etwas Fabelhaftes, Anzustrebendes. Denn Größe verspricht Effizienzvorteile durch „Economies of Scale“. Skaleneffekte und damit sinkende Stückkosten bedeuten Einsparungspotenziale durch Rationalisierung sowie Lerneffekte.
Neben diesem Volumeneffekt verspricht Größe in zweiter Linie auch „Economies of Scope“. Solche Verbundeffekte ergeben sich, wenn beispielsweise verschiedene Leistungen - etwa Festnetz, Mobilfunk und Internet - statt von separaten Einheiten von einem einheitlichen Vertrieb an den Markt gebracht werden. In diesem Zusammenhang wird auch von Synergien gesprochen. Dieser Begriff hat fast schon den Charakter eines „Zauberwortes“, wenn es um die Begründung von Unternehmenszusammenschlüssen beziehungsweise -aufkäufen geht.
Über diese essenziellen ökonomischen Wirkungen von Größe hinaus lassen sich zudem weitere Effekte feststellen: Marktmacht durch entsprechend hohe Marktanteile, Ressourcenmacht, die sich zum Beispiel in entsprechenden F&E-Budgets ausdrücken kann (Paradebranche: Pharma-Industrie), Einkaufsmacht durch die Mengen, die man Zulieferern abnimmt - denken Sie nur an die Preise im Discounter mit dem „A“.Weiter