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FORTSETZUNG: Digitale Nomaden
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Damit findet eine Idee Einzug in unsere Lebenswirklichkeit, die schon Ende der 90er Jahre von MIT-Forscher Nicholas Negroponte verkündet wurde. Etwa gleichzeitig mit seiner Vision der mobilen Internet-Nomaden und Wissensarbeitern der New Economy entstand damals ein zweites Idealbild neuer Arbeitskultur, das erst heute realistisch wird: Der glamouröse und doch oft Jobbezogene internationale Jet-Set, den das von Tyler Brûlé herausgegebene britische Magazin Wallpaper anpries. Retrofuturistische Hotels in Beirut oder Hanoi wurden ebenso vorgestellt wie neue Handymodelle, Anti-Jetlag-Tipps für Vielflieger und Shopping-Ideen für stilsichere Weltenbummler. Was damals als unrealistische Technikträumerei beziehungsweise hedonistische Hochglanz-Fantasie gelten durfte, wird heute dank veränderter technologischer und gesellschaftlicher Parameter plötzlich zur realen Option: Eine Mischung aus Brûlé und Negroponte gibt keine schlechte Anleitung zum beruflichen Glück ab.

Wird dank neuer Technologie der tägliche Weg ins Büro passé, können wir – konsequent zu Ende gedacht – unsere Arbeit an Orten erledigen, die für unsere Mütter und Väter technisch und finanziell unzugänglich waren. Diese Zeilen schreibe ich zum Beispiel in einem sehr erschwinglichen, gleichzeitig unglaublich geschmackvollen Hotelzimmer in Shanghai. Der Internetanschluss per W-Lan ist selbstverständlich ­kostenlos. Der Zimmerservice hat gerade frisches Obst gebracht. Die großartigen neuen Maßhemden, die ich mir für 20 Dollar pro Stück habe anfertigen lassen, werden gleich geliefert, später treffe ich Freunde zum Abendessen. Noch vor ein paar Monaten saß ich als Festangestellter Bürosklave in Deutschland jeden Tag am immer selben Schreibtisch im immer gleichen Gebäude und ging erst nach Hause, wenn es draußen dunkel wurde. Sagen Sie mir, welche Variante besser klingt...  

Tyler Brûlé ist inzwischen Herausgeber einer anderen Publikation, die für unser Thema noch interessanter ist als Wallpaper: Die Zeitschrift Monocle berichtet in Form eines internationalen „Briefing“ aus aller Welt und begeistert sich für so unterschiedliche Themen wie die japanische Marine, eine isländische Fluglinie, Popkultur in Südkorea oder den neuen Nachtzug der deutschen Bahn. Vereinendes Element: Monocle ist ein Magazin für Weltreisende (und sei es nur im Geiste), deren Interessen über die Grenzen des eigenen Landes hinausgehen. Und es versteht sich darauf, praktische Tipps für eine Flugmeilen sammelnde Elite zu geben: Welches Hotel in Hongkong hat die beste Lobby? Warum ist der Iris-Scanner für Frequent Traveller am Flughafen Heathrow eine tolle Erfindung? Welche Expansionsstrategie verfolgt Finnair? Die Themen kreisen um das Thema „Unterwegs arbeiten“, denn das Magazin richtet sich dezidiert nicht an Urlaubsreisende. Mit großer Leidenschaft wird hier zum Beispiel für drahtlosen Internetempfang in Pasagierflugzeugen gekämpft: „Obwohl wir uns wünschten, wir würden dieses Magazin recherchieren und redigieren, während wir in einer umgebauten koreanischen 777 sitzen und W-LAN benutzen – ist das leider nicht der Fall“, heißt es im Schwerpunkt „Travel Top 50“. Es folgt ein kurzes Wehklagen über den leider abgeschalteten „Connexion“ Internet-Service an Bord von Boeing-Maschinen, um dann zu frohlocken, dass Panasonic an einer Lösung des Problems arbeitet und Quantas als eine der ersten Linien Online-Arbeiten während des Fluges ermöglichen wird – sobald sie ihren Airbus A380 bekommt.

Ähnlich kosmopolitisch agieren vielleicht nur die deutschen Schriftsteller Christian Kracht und Eckardt Nickel, die schon 1998 mit ihrer literarischen Reportagensammlung „Ferien für immer“ oder Artikeln wie „Der Schneider von Bangkok“ das Ideal des globalen Flaneurs postulierten. Mal eben auf einen Gin ­Tonic in den Foreign Correspondents Club der thailändischen Metropole, das las sich damals noch ebenso weltläufig wie unrealistisch. Angesichts von Billigfliegern und zunehmender beruflicher Mobilität sieht dies heute anders aus.  
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