Arbeiten auf Entfernung und stärkere individuelle Verantwortung des einzelnen Mitarbeiters werden das Verhältnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf scheinbar paradoxe Weise verändern: Einerseits wird es eine stärkere Betonung der messbaren Ergebnisse geben. Gleichzeitig werden fortschrittliche Arbeitgeber feststellen, dass im Umgang mit ihren Angestellten Vertrauen und soziale Netzwerke an Bedeutung gewinnen. Der Auftraggeber der Studie, Brother-Chef Yuji Furukawa, sieht es so: „Unternehmen müssen Vertrauen in ihre Angestellten entwickeln – in die Freiheit, eine bessere Balance zwischen Leben und Arbeiten zu entwickeln.“
Die Basis dieser flexibleren und, so die Forscher, „flüssigeren“ Arbeitsweisen wird die Kommunikation sein. Mehr als je zuvor werden wir einen großen Teil unseres Arbeitstages damit verbringen, miteinander in Kontakt zu bleiben, Beziehungen zu pflegen, neue Verbindungen zu knüpfen. Neue Technologien werden es uns ermöglichen, dies auf immer einfachere und subtilere Arten zu tun. Am interessantesten fanden die Forscher den voraussichtlichen Einfluss dieses Trends auf unsere Definition von Arbeit und Privatleben. Arbeit werde immer weniger ein Ort, an den wir gehen, und immer mehr eine Frage dessen, wie wir unsere Zeit insgesamt nutzen: „Wir werden im Jahr 2020 nicht mehr zur Arbeit gehen,“, schreibt die Future Foundation in ihrem Bericht, „wir werden unsere Arbeit einfach machen.“
Bis zu diesem Zeitpunkt, so die optimistische Voraussage der Experten um Studienautor Paul Flatters, würden in Deutschland 81 Prozent der Arbeitnehmer als flexible und mobile so genannte „freE-worker“ – wir nennen sie neue Freiangestellte – arbeiten. Man darf sich diesen Prozess nun aber nicht als Automatismus vorstellen, den man bequem zurückgelehnt einfach abwarten kann. Aus Arbeitnehmersicht lohnt es sich, die Entwicklung schon heute aktiv einzufordern, denn bis 2020 würde man doch noch eine ganze Weile an den Schreibtisch gekettet verbringen. Als Arbeitgeber muss man erst recht zu den aktiven Protagonisten dieses Wechsels gehören, denn nur so kann das Unternehmen von den oben beschriebenen Vorteilen profitieren und zu den fortschrittlichen First Movern gehören.
Erschienen in DMR 02/2009
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