Erste Wahl oder große Qual?
Strategien für das Wachstum nach spätem Eintritt in Mobilfunkmärkte
Späte Einsteiger in den Mobilfunkmarkt haben es nicht leicht! Der Wettbewerb ist hart, bestehende Anbieter sind groß, etabliert, gut positioniert und verfügen über gefüllte „Kriegskassen“. Die Nutzer sind weitgehend zufrieden mit dem Marktangebot. Viele der Marketing-Tricks wurden schon angewendet. Wie können Späteinsteiger hier noch das notwendige Wachstum erzielen?
Telenor, Telefonica und Vodafone haben es vorgemacht, Orascom, Telmex und Etisalat sind gelehrige und erfolgreiche Nachahmer. Ihre Strategie ist denkbar einfach: Setze auf Mobilfunk und investiere in Ländern mit hoher Bevölkerungszahl und niedriger Penetrationsrate. Das Wachstumspotenzial im Mobilfunk in Schwellen- und Entwicklungsländern antizipierend ging die Strategie auf. Nur ist sie seit einiger Zeit kein Geheimnis mehr. Auch sind die Länder rar geworden, in denen noch unerschöpfte Potenziale schlummern. Wer heute auf die Suche geht, wird entweder etablierte Mobilfunkanbieter zu deftigen Preisen akquirieren müssen, oder aber er versucht sich als Späteinsteiger in zumeist exotischen Ländern.
Wie erfolgreich sind Späteinsteiger? Kann der Nachteil des zeitverzögerten Markteintritts egalisiert werden? Abbildung eins zeigt die relative Performance – der erzielte Marktanteil als Funktion der Zeit seit Markteintritt – von dritten GSM-Mobilfunkbetreibern in vielen Märkten weltweit. Lateinamerikanische Anbieter wurden aufgrund der dort spezifischen TDMA-GSM Netzmigration nicht einbezogen. Auch Mobilfunkbetreiber in riesigen Flächenstaaten wie Indien, China oder Russland mit stark regionalen Besonderheiten wurden ausgeklammert.
Späteinsteiger häufig bedingt erfolgreich
Die Abbildung zeigt eine Vielzahl von erfolgreichen Mobilfunkbetreibern mit Marktanteilen von um die 30 Prozent, die häufig im sechsten oder siebten Jahr nach Markteintritt operieren. Besonders geläufige, erfolgreiche Beispiele von Späteinsteigern sind Kyivstar in der Ukraine und Cosmote in Griechenland, die zum Ende des Jahres 2007 Marktanteile von über 40 Prozent erreicht hatten.
Der Erfolg von Kyivstar und anderen leistungsstarken dritten Mobilfunkbetreibern wird auch durch die Schwäche des ersten oder zweiten Anbieters ermöglicht. Das ist im Fall von Cosmote, dem Mobilfunkarm des griechischen Exmonopolisten OTE, anders. Aus dieser Herkunft resultierten viele Vorteile beim Markeintritt. Gute regulatorische Rahmenbedingungen waren genauso vorhanden wie Größen-, Infrastruktur-, Reichweiten-, Personal- und Vertriebsvorteile. Ein geringerer Erfolg wäre Anlass zum Augenrunzeln.
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