Klassische Softwarehersteller haben es lange Zeit vermieden, auch eine webbasierte Variante ihrer Anwendungen zu entwickeln. Auslöser war die Angst vor Kannibalisierungseffekten mit dem Verkauf von lokaler Software. Erst seit kurzem erkennen Softwareunternehmen die neuen Chancen, die sich ihnen durch die Bereitstellung webbasierter Anwendungen bieten. Unternehmen wie Microsoft oder Adobe entwickeln derzeit unter Hochdruck Cloud-Varianten ihrer Anwendungen. Das Büropaket „Microsoft Office“ liegt zwar nach wie vor nur in einer lokalen Version vor, aber das Unternehmen hat bereits angekündigt, bald auch eine Web-Version anbieten zu wollen. Die Entwicklerplattform „Windows Azure“ (dt. „himmelblau“), die Ende 2008 vorgestellt wurde, unterstreicht den Strategiewechsel von Microsoft.
In jüngster Zeit machen sich auch Hardware-Hersteller den Cloud Computing-Trend zunutze. So bietet Asus für sein Netbook eeePC, das nur einen wenige Gigabyte kleinen Festplatten-speicher besitzt, einen zusätzlichen zwei Gigabyte großen Onlinespeicher, der sich nahtlos in das Betriebssystem integriert. Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen können in zweierlei Hinsicht vom Trend Cloud Computing profitieren. Erstens wird die Wichtigkeit des Internets für Unternehmen steigen, wodurch sich Netzbetreibern neue Hebel für den Vertrieb breitbandiger Internetanschlüsse bieten. Zweitens ermöglicht das Bereitstellen eigener Cloud-Computing-Dienste völlig neue Geschäftsmodelle für Netzbetreiber.
Ersteres leuchtet schnell ein: Wenn immer mehr Unternehmensprozesse und -anwendungen aus dem World Wide Web kommen, wird die Internetverbindung zunehmend erfolgskritisch. Selbst kurze Ausfälle können schnell geschäftsschädigend werden, wenn dadurch wichtige Teile des Unternehmens lahmgelegt werden. Es gilt, sowohl eine gute Verbindungsqualität als auch eine ausreichende Geschwindigkeit bereitzustellen, um Leistungsspitzen abfedern zu können. So kann es gelingen, auch Unternehmen in bislang weniger IT-affinen Branchen von der Notwendigkeit breitbandiger Internetanschlüsse zu überzeugen. Um diesen Effekt zu verstärken, sollten Netzbetreiber und ICT-Dienstleister aktiv die Verbreitung von Cloud Computing unterstützen. So offeriert beispielsweise die British Telecom (BT) kleinen und mittleren Unternehmen direkt neben den reinen Internetzugängen auch Cloud-Anwendungen, zum Beispiel von Salesforce.com.
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