Eine zweite Möglichkeit für Netzbetreiber, vom Trend webbasierter Dienste zu profitieren, eröffnet sich durch das Bereitstellen eigener Cloud Computing-Lösungen. Dafür müssen klassische Telekommunikationsprodukte, etwa Telefonate, Faxdienste und Voicemails, virtualisiert, also in einer webbasierten Variante angeboten werden. Vorteil für den Anwender: Er benötigt nur einen Internetzugang und hat sofort Zugang zu allen Kommunikationsmitteln.
Diese Services können vom Netzbetreiber selbst vertrieben werden. Weitaus interessanter ist jedoch eine andere Variante, nämlich Drittanbietern (Independent Software Vendors = ISVs) Programmierschnittstellen (APIs) zur Verfügung zu stellen, damit diese ihre eigenen Cloud-Anwendungen auf Basis der virtuellen Telekommunikationsprodukte entwickeln können. Ein Online-Marktplatz dient als Vertriebsplattform, um diese Dienste beliebigen Kunden anzubieten. Ein Teil der Nutzungsgebühren wird dabei vom Anbieter als Entgelt einbehalten. Wer eine große Entwicklergemeinde hinter sich scharen kann, kann einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Netzbetreibern gewinnen. Auch hier übernimmt BT eine Vorreiterrolle: Mitte 2008 sicherte sich das Unternehmen mit dem Kauf des Silicon Valley-Startups Ribbit eine Technologie, mittels derer Sprachkommunikation nahtlos in beliebige Websites integriert werden kann. Die „Ribbit Developer-Platform“ gibt Entwicklern die nötigen Tools in die Hand, um eigene Dienste auf Basis der BT-Infrastruktur aufzusetzen.
Empfehlungen für potenzielle Anwender
Anwender sehen Cloud Computing heute häufig noch skeptisch. Insbesondere Großunternehmen fürchten um die Verlässlichkeit der Angebote. Bevor Cloud Computing als vollwertiger Ersatz für etablierte und geschäftsrelevante Applikationen angesehen werden kann, müssen das Vertrauen in die langfristige Positionierung der Anbieter reifen, rechtliche Probleme im Bereich länderübergreifender Datenspeicherung geklärt und die uneingeschränkte Verfügbarkeit des Internets für alle Marktteilnehmer sichergestellt werden.
Für Anwendungen außerhalb der Kernapplikationen und für junge und kleinere Unternehmen bieten sich jedoch bereits heute interessante Einsatzpotenziale. Ob sich der Einsatz von Cloud Computing im Unternehmen lohnt, hängt dabei von gewissen organisatorischen und prozessualen Voraussetzungen ab. Je mehr unterschiedliche Standorte und Geschäftspartner ein Unternehmen hat, desto mehr können die offenen Vernetzungsmöglichkeiten, die Cloud Computing bietet, ausgespielt werden. Die Einführung flexibler Arbeitszeit- und Arbeitsplatzregelungen im Unternehmen kann ebenfalls den Wechsel zu Cloud-basierten Infrastrukturen und Applikationen sinnvoll machen.
Weiter