Führen in einer transparenten Welt
Die Regenbogenpresse verspricht’s und das Internet vollbringt’s: Die Welt wird gläsern, transparent. Innerhalb von Minuten erfreuen, ärgern und langweilen weltweit die gleichen Neuigkeiten. Alles erscheint transparent, die Unternehmen und ihre Kundinnen und Kunden mit eingeschlossen. Informieren die Unternehmen nicht als Erste, tut es die Blogosphäre. Doch wie beeinflusst diese transparente Welt die meine?
Die Werbung arbeitet mit vordergründig glasklaren Botschaften: Mein Wagen ist sicher und so sind es meine Finanzanlagen. Andernfalls gibt es die richtige Versicherung. Dieser Art von Transparenz können wir gerade eben noch folgen. Doch schon bei den sogenannten Tiefstpreisen wird es schwieriger. Und auch die Insignien der Autorität – der Arzt mit weissem Kittel, die Anwältin mit Juristendeutsch und der Vorgesetzte mit der hohen Rückenlehne – schaffen Transparenz nur auf den ersten Blick.
In unserem engeren Umfeld ist es also mit tatsächlicher Transparenz nicht weit her. Hinzu kommt, dass wir Wahrgenommenes interpretieren und dabei etliche Vorstellungen in unseren Köpfen herumgeistern. Mit «Vorgesetzte/Vorgesetzter» verbinden wir Vorstellungen wie die nachstehenden. Unter diesem falschen Führungs- und Leistungsverständnis leiden Menschen und Unternehmen.
Die Vorgesetzte weiss > Die Vorstellung von der beinah allwissenden Vorgesetzten steckt tief in unseren Köpfen. Dabei weiss sie von vielen Vorgängen wenig bis nichts. Wie sollte sie auch? In der Tat verteilt sich die Führungsarbeit auf immer mehr Köpfe mit immer grösserer Entscheidungsbefugnis. Dazu trägt auch die weltweite Wirtschaftsentwicklung mit zunehmender Regionalisierung und Spezialisierung das ihre bei.
Der Vorgesetzte agiert > Führen heisst agieren – nicht reagieren. Dies tut die Chefetage jedoch seltener als erwartet: Hektisches Agieren entpuppt sich oft als ein Reagieren.
Die Chefetage bleibt passiv >> Ein Konzern im Detailhandel beliefert mit einer Hundertschaft an Fahrern und Lageristen täglich seine Filialen. Der Logistikabteilungsleiter macht andauernd auf Stress, was die Belegschaft verunsichert und verärgert. Mitarbeiter springen ab, andere machen gute Miene zu bösem Spiel, da sie kurz vor der Rente stehen. Die Chefetage weiss um die hohen Personalbewegungen in der Logistikabteilung, reagiert aber nicht. Die Missstände werden vermehrt auch ausserhalb des Unternehmens wahrgenommen.
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