Ein weiteres Beispiel für die dem Standard innewohnende Flexibilität ist die Tatsache, dass von Beginn an auf der Ebene des Transportnetzwerkes keine Festlegung auf eine einzige Technologie stattgefunden hat. Eine wohl definierte Kapselung zwischen Transport- und Netzwerkschicht mit eindeutig ausgeführten Dienstübergabepunkten erlaubt es prinzipiell, den gesamten Kommunikationsverkehr in einem UMTS-Netzwerk sowohl auf Basis der verbindungsorientierten ATM-Technologie als auch der verbindungslosen IP-Technologie zu organisieren. In der Realität setzten sich zu Beginn ausschließlich die ATM-basierten Transportnetzwerke durch, da zu diesem Zeitpunkt nur diese bereits ausgereifte und am Markt verfügbare Technologie in der Lage war, die Merkmale der verschiedenen, innerhalb des UMTS-Standards definierten Verkehrsklassen beim Transport innerhalb des Netzes gesondert zu behandeln, indem ausgefeilte Algorithmen zur Priorisierung und Pufferung zum Einsatz kamen.
Der aus dem Unternehmensumfeld bekannten IP-Technologie wurde bereits zum damaligen Zeitpunkt ein enormes Potenzial vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten attestiert. Die Erfahrungen mit dem Einsatz von unterschiedlichen Verkehrsklassen in Netzwerken von der Kategorie landesweiter Mobilfunknetze waren aber einfach noch zu rudimentär, um den stabilen Betrieb in diesem Umfeld garantieren zu können. Das hat sich in der Zwischenzeit jedoch grundlegend geändert. Mit der Einführung der HSPA-Technik als weiteren Evolutionsschritt hat die 3GPP bewiesen, dass sich das bisherige konzeptionelle Vorgehen bewährt hat. Denn in der Tat erlaubt diese Erweiterung nicht nur Datenraten von maximal 14.4 Mbit/s zum Nutzer beziehungsweise 5.8 Mbit/s in Richtung des Netzwerkes, wodurch diese mobilen Breitbandtechniken auf Augenhöhe mit den gängigen Techniklösungen im Festnetzbereich konkurrieren. Es war auch der Durchbruch der IP-Technologie auf der Transportebene, da die Majorität der Netzbetreiber durch den erwarteten Anstieg des Datenverkehrs eine signifikante Kapazitätserweiterung vornehmen musste. Diese bestand in der Nutzung bereits vorhandener oder leicht zu erwerbender IP-basierter Transportinfrastruktur und hatte den zusätzlichen Charme, die ökonomisch sinnvollste Lösung zu sein.
Ein entscheidender Punkt für die Akzeptanz unter den Netzbetreibern sowie für die schnelle Einführung der HSPA-Technologie ist die Tatsache, dass sie von Beginn an als Erweiterung und nicht als Ersatz des bisherigen Standards konzipiert worden war. In der Praxis bedeutet das eine nicht zu unterschätzende Einsparung von Investitions- als auch Betriebskosten und nicht zuletzt Zeitvorteile bei der Markteinführung. In diesem Sinne ist der mittlerweile absehbare kommerzielle Erfolg der HSPA-Technik ein sehr schönes Beispiel dafür, wie die intelligente Verknüpfung bereits existenter Netzwerktechnologien kombiniert mit gezielten Eingriffen in genau abgesteckten Bereichen einen signifikanten technologischen als auch ökonomischen Mehrwert erbringen kann. Damit ist der Standardisierungsprozess selbst ein sehr schönes Beispiel dafür, was erreicht werden kann, wenn Betreiber und Hersteller an einem Strang ziehen und die Definition eines Technikstandards als Gemeinschaftsaufgabe ansehen.
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