Teile und herrsche: Über den Umgang mit „Shared Media“
„Geschafft“, könnte man denken. Wir haben verstanden, wie Bandbreite oder Geschwindigkeitsressourcen für die verschiedenen physikalischen Medien einzuordnen sind und wie wir ihre Größe einigermaßen realistisch abschätzen können. Leider ist aber auch das noch nicht die volle Wahrheit. Einige der angesprochenen Systeme arbeiten nämlich nach dem PMP-Verfahren, bei dem sich die Nutzer die vorhandenen physikalischen Übertragungsbandbreiten teilen müssen. Dies ist insbesondere beim Mobilfunk der Fall. Da man aus kommerziellen Gründen davon ausgehen muss, dass ein Netzbetreiber bestrebt ist, möglichst viele Kunden in einer Funkzelle zu haben, kann dies die gefühlte Geschwindigkeit deutlich reduzieren. Demnach sind auch realistische Spitzenwerte der Geschwindigkeit zwar informativ, aber nicht zur Vermarktung geeignet.
Um das Verhalten einer „shared Ressource“ besser zu verstehen, eignet sich wieder unser Beispiel mit dem Straßenverkehr. Ist die Autobahn frei, sind also genügend Spuren (Ressourcen) vorhanden oder der Verkehr gemäßigt, läuft alles prima. Sind dann noch Geschwindigkeitsbeschränkungen aufgehoben, ist es durchaus möglich, die Tachonadel in Richtung der Spitzengeschwindigkeit wandern zu lassen. Umgekehrt verhält sich ein solches System bei knappen Ressourcen oder unter hoher Last. Selbst ohne eine Störung durch Unfälle oder Baustellen, was im Prinzip ja nur einer weiteren Ressourcenverknappung entspricht, erleben wir es häufig, dass der Verkehr für eine gewisse Zeit nicht gut läuft oder gar stockt, ohne dass dafür eine klare Ursache erkennbar wäre. Theoretisch erklären und simulieren lässt sich derartiges Verhalten mit Hilfe der Verkehrstheorie:
Eine ausreichende Ressource ist also nicht nur für die Maximalgeschwindigkeit von Bedeutung, sondern eher noch mehr für die effektive Nutzung durch mehrere Teilnehmer. Unabhängig vom Dienst benötigen Nutzer in der Regel einen statistischen Zugang, sei es zum Beispiel durch das Zeitverhalten beim Telefonieren oder beim Web-Browsing. Darüber hinaus ergeben sich vielfältige statistische Prozesse auf der Paketebene bei modernen Systemen. Diese Gegebenheiten erlauben es, mehr Da-ten zu übertragen als im Falle einer permanenten Nutzung oder einer festen Datenstruktur wie bei klassischen Systemen. Man spricht daher in der Verkehrstheorie von statistischem Multiplexgewinn. Auch hier gibt es interessante Vergleiche aus dem täglichen Leben wie die Überbuchungsstrategien der Airlines. Es ist bekannt, dass das zu gewaltigem Ärger führen kann, weshalb die meisten Gesellschaften dieses Verfahren sehr vorsichtig anwenden. Im Telekommunikationsmarketing wird nicht immer so sorgfältig agiert. Häufig findet man Annahmen über statistische Multiplexgewinne, die weit überzogen sind und daher eine knappe Ressource in unzulässiger Weise verschleiern können.
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