Zwei Dinge sind wesentlich zur Einschätzung: Der statistische Multiplexgewinn ist eine nichtlineare Funktion der Ressourcengrösse, er ist nur nutzbar bei genügend großem Spielraum. Darüber hinaus bestimmt die Dienstgüte, zum Beispiel Wartezeiten, in welcher Form und mit welchem Effekt derartige Gewinne nutzbar sind. Auch hier greift wieder die Analogie mit der Flugbuchung. Wenn Sie den nächsten Flug nehmen können, ist alles in Ordnung, es gibt ja sogar noch eine Prämie dafür.
Zurück zu den Mobilfunksystemen der neuesten Generation. Um den Wunschvorstellungen nach ausreichender Geschwindigkeit nahezukommen, benötigen wir also ausreichende Frequenzressourcen und einen effektiven Umgang mit der Ressource. Obwohl viele Eigenschaften standardisiert wurden, gibt es in diesem Bereich noch Grauzonen, in denen sich Hersteller durchaus differenzieren können. Bei der Auswahl sind daher entsprechend präzise Analysen der technischen Fähigkeiten und der zugeordneten Roadmap von großer Bedeutung. Gleiches gilt für die Vielfalt und die Implementierungsqualität von Dienstgütemerkmalen, die ja das dynamische Verhalten und die erreichbare Geschwindigkeit und Systemkapazität wesentlich beeinflussen.
Was der Nutzer sieht: Das schwächste Glied ist bestimmend
Bislang haben wir vor allem die technisch mögliche Geschwindigkeit betrachtet. Entscheidend ist jedoch letztendlich, welche Geschwindigkeit der Kunde beim Zugriff auf seine Dienste erfährt und fühlt. Die Dienste umfassen dabei kommunikative Dienste wie Sprache, interaktive Dienste wie Webbrowsing, Streamingdienste wie Video (YouTube) oder Webradio oder das schlichte Herunterladen von Daten wie Dokumenten oder E-Mails. Dabei unterscheiden sich Dienste in ihren Ansprüchen an Geschwindigkeit sowie in der Wahrnehmung von Geschwindigkeit. Neben dem Durchsatz beziehungsweise der Geschwindigkeit der Datenpakete ist die „Roundtrip Zeit“, das heißt die Zeit, die von der Anfrage bis zur Antwort vergeht, der entscheidende Einflußfaktor für die Performance der Dienste. Für Sprach- und Streamingdienste ist zusätzlich noch der Jitter, der Schwankungen in der Übertragungsqualität beschreibt, von Bedeutung.
Aus der Sicht des Dienstes bestimmt das schwächste Glied einer Ende-zu-Ende Kette den Durchsatz. In einem nicht ausgelasteten Mobilfunknetz sollte dieser Engpass immer die Luftschnittstelle sein, was in heutigen Netzen aufgrund der kostenintensiven Backhaul-Anbindung nicht immer der Fall ist. Aktuelle Analysen bestehender 3G-Mobilfunknetze zeigen dies in aller Deutlichkeit. Für eine Migration zur nächsten Generation müssen daher Netzbetreiber diesem Aspekt erheblich mehr Aufmerksamkeit schenken, sonst läuft die ganze Zauberei der zukünftigen Mobilfunkstandards ins Leere.
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