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Gretchenfrage
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Gretchenfrage

Schneller besser oder besser schneller? Plädoyer für einen differenzierten Ansatz im Innovationsmanagement

Dirk Pracht, Frank Weiß

Innovationen sind ein entscheidender Hebel für den Markterfolg. Doch auch die Kreativität steht unter Druck: Produktlebenszyklen verkürzen sich in erheblichem Maße, wodurch Vorsprung durch Innovation nicht mehr lange vorhält. Die Versprechen von neuen Innovationsmethoden wie Open Innovation und Design Thinking zur Beschleunigung des Innovationsprozesses stehen hier auf dem Prüfstand.

Die moderne, technisch geprägte Gesellschaft lebt unter dem Diktat der permanenten sozialen und ökonomischen Beschleunigung, was sich auf fast allen gesellschaftlichen Gebieten zeigt: Neues Wissen ist morgen schon wieder überholt, privat stehen wir unter dem Druck, alle Lebenschancen wahrzunehmen und auszuschöpfen. Im ökonomischen Bereich gibt die Globalisierung den neuen Zeittakt vor, der unser Arbeitsleben bestimmt. Folglich zeigt sich dieser Trend auch bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, deren Lebenszyklen sich in den letzten Jahren stetig verringert haben. Speziell in der ICT-Branche und im Besonderen im Online- und Web 2.0-Umfeld ist eine starke Verkürzung der Entwicklungszeiten zu beobachten. Am Beispiel von Google Maps ist dies sehr deutlich zu sehen: In nur acht Monaten wurde die komplette Applikation entwickelt und erfolgreich am Markt eingeführt.

Innovationsvorsprung wird immer geringer   

Diese klare Tendenz zur Verkürzung der Produkt- und Dienst­leistungslebenszyklen ist nicht nur in der schnelllebigen Software-Branche zu beobachten, sondern zeigt sich in den unterschiedlichsten Branchen. Gründe für diese Entwicklung sind neben einem allgemein beschleunigten technischen Fortschritt vor allem ein sich ständig verstärkender Wettbewerbsdruck durch die anhaltende Globalisierung, der hohe Druck der ­Kapitalmärkte, die von den Unternehmen erhebliche Wachstumsraten fordern und eine beschleunigte Imitation durch direkte Wettbewerber, Eigenmarken des Handels oder durch Billig-Produzenten. Aber auch eine geringere Bindung der Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber und damit die Möglichkeit, ­geistiges Eigentum der Konkurrenz einfach einzukaufen, sowie die gestiegene Bereitschaft der Verbraucher, Neues auszupro­bieren, tragen dazu bei.    

Die Summe der hier genannten Effekte führt dazu, dass Unternehmen immer weniger Zeit bleibt, mit einem errungenen technologischen Vorsprung ein notwendiges Premium zu verdienen, um die Investitionen zu refinanzieren. In der ICT-Branche kommt es zudem immer häufiger vor, dass einfache Produkte oder Dienste der Internet- und Web 2.0-Branche komplette Geschäftsmodelle von etablierten Unternehmen in Frage stellen. So führte die Entwicklung und Verbreitung von Voice over IP-Diensten im Internet zu einem dramatischen Einbruch der klassischen Telefonieumsätze.    

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