Frühe Testphasen sind entscheidend
Ein integraler Bestandteil des Design Thinkings ist es, schon in der frühen Phase des Innovationsprozesses Prototypen zu entwickeln. Prototypen können entweder physische oder haptische Prototypen sein oder über „Touchpoints“ modellierte Service-Schnittstellen. Alle Prototypen dienen dazu, bestehende Ideen gegen die Anforderungen der zukünftigen Nutzer zu testen. In einem iterativen Prozess werden Prototypen erstellt. Basierend auf dem Feedback ist das Design der Innovation anzupassen. Dabei ist es wichtig, nur so viel Aufwand in die Erstellung des Prototyps zu stecken, wie nötig ist, um ein belastbares Feedback zu Veränderungen zu erhalten. Wird ein Prototyp in der frühen Phase des Prozesses bereits zu weit entwickelt, senkt das die Bereitschaft, diesen nochmals – eventuell auch grundlegend – anzupassen.
Design Thinking-Projekte zeichnen sich neben experimentellen Prototypen und ausgeprägter Gewichtung der Nutzerbedürfnisse durch interdisziplinäre Projektteams aus. Technologen, Betriebswirtschaftler und Psychologen arbeiten gemeinsam an den Innovationen. Durch diese Heterogenität ist sichergestellt, dass die technische Machbarkeit (Feasibility), Wirtschaftlichkeit (Viability) und Befriedigung von Nutzerbedürfnissen (Desirability) berücksichtigt wird (siehe auch Abbildung 2).Bezogen auf den gesamten Innovationsprozess wirkt sich die Einbindung der Nutzer wie schon bei der Lead User Innovation positiv auf die Effizienz aus. Es kann schon frühzeitig sichergestellt werden, dass die „richtigen“ Produkte oder Services entwickelt werden. Darüber hinaus führt die frühe Prototypen-Entwicklung zu einer Verkürzung der Entwicklungszeiten, da viele Hürden in der Implementierung schon deutlich früher auftreten und mit der nächsten Iteration des Prototypen gleich gelöst werden können.
Kreativer Ideenaustausch bringt wichtige Impulse
Der Vorreiter bezüglich eines erfolgreichen Einsatzes der Design Thinking-Methodik in der ICT-Branche war AT&T. AT&T Wireless (jetzt Cingular) hat bereits 2003 das Re-Design seines drahtlosen Datendienstes mMode in Kooperation mit dem Design-Unternehmen IDEO gemäß dem genannten Innovationsansatz durchgeführt. Hierzu mussten AT&T-Manager mit Hilfe des bestehenden mMode-Services zum Beispiel ein Geschäft in San Francisco ausfindig machen, das die CD eines bestimmten Sängers führt. Dabei mussten die Manager eingestehen, dass die Bedienung des Services zu umständlich war und sie zur Bewältigung der Aufgaben auf traditionelle Medien wie Zeitungen oder das Telefonbuch zurückgreifen mussten. Diese lehrreiche Erfahrung gab notwendige Impulse für die Anpassung des mMode-Service und die bessere Ausrichtung auf Nutzerbedürfnisse.
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