Gut geteilt ist doppelt gewonnen
Richtlinien für effizientes Infrastruktur-Sharing
Durch gemeinsame Nutzung der Zugangsnetze können Telco-Betreiber Servicekosten senken und Wettbewerbsvorteile ausbauen. Die Möglichkeiten, einen potenziell geeigneten Partner zu finden, sind allerdings nicht breit gestreut. Optionen, Modelle, Risiken und Interessen der Stakeholder gründlich auszuloten hilft Telco-Betreibern, ihren Betrieb in einem optimal geeigneten Sharing-Modell effzienter zu gestalten.
Zugangsnetze und die damit verbundene Infrastruktur sind zentrale Bestandteile des Service-Angebots von Mobil- und Festnetzbetreibern mit hoher Asset-Spezifität und Komplexität und unterliegen daher typischerweise einer vertikalen Integration1. Auch wenn international zahlreiche Anstrengungen und sogar Regulierungseingriffe unternommen wurden, um das Telco-Geschäft für Anbieter ohne eigene Zugangsnetze – zum Beispiel MVNOs, nationales Roaming, entbündelte Festnetzzugänge – vollständig zu öffnen, gibt es nur wenige langfristig erfolgreiche Beispiele von großen Anbietern ohne eigenes Zugangsnetz. Letztendlich greifen wesentliche Player zumeist auf ihre eigenen Zugangsinfrastrukturen zurück oder investieren in den Aufbau einer solchen, sobald sie sich zu bedeutenden Marktgrößen entwickelt haben.
Gleichwohl gehören die in Zugangsnetze getätigten Investitionen und die damit einhergehenden Betriebskosten zu den größten Kostentreibern der Netzbetreiber. Folglich ist die effektive gemeinsame Nutzung der Zugangsnetze zu einem der interessantesten Themen für Betreiber geworden, die dann entweder weiterhin eine vertikale Integration beibehalten oder ihre entsprechenden Assets in eine strategische Partnerschaft einfließen lassen können. Dabei hat Network-Sharing nicht nur die Kostensenkung zum Ziel, sondern auch die Beschleunigung des Netzaufbaus, die Erhöhung der Netzabdeckung oder die Erfüllung von Regulierungsauflagen. Voraussetzung ist, dass technische und regulatorische Einschränkungen bewältigt werden können.
Die mit der Implementierung verbundenen Herausforderungen und Risiken können ein Network-Sharing-Abkommen jedoch undurchführbar machen und beenden, bevor es überhaupt begonnen hat. Die Festlegung auf ein allgemeines Prinzip mag relativ einfach sein, aber gefordert ist eine Vereinbarung mit detaillierten Abstimmungen zu Management der gemeinsam genutzten Infrastruktur, Planung, Betrieb und Wartung, Governance und kommerziellen Bedingungen. Genau in diesen Punkten scheitern die meisten Vereinbarungen – trotz der offensichtlichen Kostenvorteile für die Stakeholder. Daher ist es unumgänglich, drei zentrale Fragen bei der Erwägung von Network Sharing rational anzugehen: Das WARUM, das WER und das WIE, um so die Risiken einer ineffizienten Sharing-Vereinbarung zu minimieren.
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