Hindernislauf
Von der Schwierigkeit, Rückstand im Wettbewerb aufzuholen, ohne zu straucheln
Wer ein Rennen gewinnen will, braucht eine klare Strategie, die auf der eigenen Leistungsfähigkeit, deren Grenzen sowie den Stärken und Schwächen seiner Gegner aufbaut. Außerdem muss er seine Strategie auch während des Rennens anpassen können. Versucht er nur, mit den anderen mitzuhalten, bricht er – meist auf der zweiten Streckenhälfte – ein. Viele Unternehmen befinden sich derzeit in einer ähnlichen Situation. Zwischen Marktdynamik und interner Stabilität ist eine ausgeklügelte Rennstrategie gefragt.
Wer sich im Wettbewerb befindet, kennt es: Das Gefühl, wenn man bemerkt, dass die Gegner schneller oder besser sind als man selbst. Ein unangenehmes Gefühl. Ein Gefühl, dass man so schnell wie möglich beseitigen möchte. Man hat schließlich etwas aufzuholen. Was dann entsteht, ist zunächst Hektik – und später Erschöpfung.
Leider führt diese Denk- und Handlungsweise letztendlich nie aus der unerwünschten Situation heraus. Ist der ursprüngliche Rückstand zum Gegner aufgeholt, ist dieser schon wieder ein Stück voraus. Genau dieses entscheidende Stück, das dem Gegner einen Wettbewerbsvorteil verschafft und ihn am Ende das Rennen gewinnen lässt.
Auch Unternehmen verharren meist beim Versuch, aufzuholen, trotz eilig umgesetzter Maßnahmen in einem konstanten Rückstand zum Wettbewerb und kämpfen mit internen Problemen wie hohen Kosten, geringen Margen und hoher Fluktuation. Das Rennen wird zum Hindernislauf.
Wer zu schnell sein will, landet meist in der „Tempokrise“
Unternehmen, die in stark technologieorientierten Märkten wie der Telekommunikations- und IT-Branche agieren, müssen sich in einem Umfeld des permanenten Wandels behaupten. Aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung in den letzten Jahren verändern sich die Märkte und Kundenbedürfnisse sehr schnell. Diese Geschwindigkeit zwingt die Unternehmen zu einem ständigen Umdenken und einer Anpassung ihrer Organisation. Künftige technologische Möglichkeiten sowie die Reaktion der Kunden darauf müssen antizipiert werden. Jede neue technologische Entwicklung kann genutzt werden, um einen neuen Marktbereich zu erobern und die eigene Position zu verbessern oder auszubauen. Bei jeder Möglichkeit muss sich das Unternehmen fragen, ob es sich lohnt, ein „first mover“ zu sein, oder ob es nicht besser ist, als „second“ oder gar „third mover“ genau dieselbe Lösung für eine dann breitere beziehungsweise andere Zielgruppe oder einfach nur zu günstigeren Konditionen anzubieten und dabei auf der Lernkurve und den Fehlern der Schnelleren aufzubauen. Vielleicht geht man damit aber auch das Risiko ein, schlicht zu spät zu kommen. Von dieser Entscheidung getrieben stolpern viele Unternehmen in eine interne Krise – die Tempokrise.
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