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Interview: Wachgeküsst
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Interview: Wachgeküsst

Netzwerkansatz bringt mehr Leben in die Mitarbeiterkommunikation



Mitarbeiter sind heute durchaus als wichtige Stakeholdergruppe anerkannt. Dennoch klafft in der internen Kommunikation häufig eine Lücke zwischen der Erwartungshaltung von Sender und Empfänger, beklagt Annette von Butler, Expertin für Organisationsentwicklung. Im Gespräch mit dem DMR erläutert sie, wie netzwerkorientierte Kommunikation Mitarbeiter wieder stärker für das Unternehmensgeschehen interessiert – und sich damit positiv auf die Wertschöpfung auswirkt.

DMR: Obwohl viele Unternehmen die Bedeutung der Mitarbeiter­kommunikation hervorheben, ergeben Mitarbeiterbefragungen zu diesem Thema regelmäßig ein eher negatives Bild. In der Folge interessieren sich Mitarbeiter gar nicht mehr für Unternehmensinformationen. Woran liegt das? Was ist generell die Crux an der Mitarbeiterkommunikation?

A. von Butler: Ich beobachte, dass die Mitarbeiter zwischen ihrem Erleben im Unternehmen und dem in den internen Medien und durch das Management erzeugten Bild des Unternehmens kaum noch Gemeinsamkeiten entdecken. Die fehlende Glaubwürdigkeit der internen Kommunikation und die daraus resultierende Enttäuschung führen dann dazu, dass sich Mitarbeiter innerlich abwenden und sich dennoch schlecht informiert fühlen. Dies führe ich auf die Art zurück, mit der viele Unternehmen ihre Mitarbeiterkommunikation betreiben: Zum einen mit den Mechanismen der klassischen Marketing-Kommunikation und zum anderen mit dem Selbstverständnis, ­„Public Relations nach innen“ zu machen, das heißt in den internen Medien finden sich nur Erfolgsmeldungen und Schönfärberei. Führungskräfte machen oft nur dann kritische beziehungsweise negative Aussagen, wenn sie entweder eine Lösung im direkten Zusammenhang oder einen Apell verkünden können.

DMR: Im Zuge der neuen Medien fällt immer wieder der Begriff des „information overload“. Wie ordnen Sie diesen Begriff im Rahmen unserer Diskussion sowohl aus Mitarbeiterperspektive als auch aus dem Blickwinkel des Managements ein?  

A. von Butler: Das Interessante ist ja, dass sich dieselben Mitarbeiter und Führungskräfte, die in Mitarbeiterbefragungen deutlich machen, dass sie sich schlecht informiert fühlen, sich gleichzeitig über Informationsflut beschweren. Wenn man beide Aussagen ernst nimmt, folgt daraus, dass sich der Informationsmangel auch durch das konsequente Abarbeiten aller E-Mails und Papierberge in den Ablagen nicht verringern ließe. Schlicht deshalb, weil in diesen Stapeln nicht die Inhalte stecken, um die es den Mitarbeitern und Führungskräften geht. Zwei zentrale Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang: Was ist Information und was ist Kommunikation? Ich erlebe häufig, dass diese beiden Begriffe in Unternehmen synonym benutzt werden. Dabei gilt: Ob etwas eine Information ist – also einen Unterschied zu dem bereits Bekannten macht –, entscheidet der Empfänger. Kommunikation hingegen ist die einzige Art, wie wir Menschen uns austauschen können, wobei – im Sinne von Heinz von Förster – das Missverständnis der Regelfall ist, nicht die Ausnahme. Der Begriff Kommunikation geht auf das lateinische Wort „communicare“ zurück. Es bedeutet „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen, vereinigen“. Davon leitet sich ab, worum es im eigentlichen Sinne in Unternehmen geht: Die Erarbeitung einer über alle Hierarchiestufen hinweg geltenden, gemeinsamen Basis für eine sinnstiftende Zusammenarbeit. So wie alle Zellen eines Menschen – die ja durchaus sehr unterschiedliche Funktionen wahrnehmen –  durch ein Nervennetz miteinander verbunden sind und aufeinander abgestimmt eine gemeinsame und einheitliche Idee verwirklichen.  

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