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Menschen sind Mosaike
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Menschen sind Mosaike

Kulturelle Vielfalt als Chance





Wir fühlen uns in Märchen zu Hause: Das Gute wird herausgefordert, das Böse bäumt sich auf, schlägt um sich und wird schlussendlich vom Guten niedergerungen. Der Held ist geboren. So soll es auch in der Wirklichkeit sein. Nur, dass es dort eben nicht immer von Helden, Widersachern und guten Enden wimmelt. Die Wirklichkeit ist komplexer, als wir sie manchmal haben wollen. Auch die Idee der kulturellen Einheit ist nicht wirklich, sondern ein Märchen. Es gibt sie nicht und hat sie nie gegeben. Die Wirklichkeit ist ständiger Austausch, Beeinflussung und Durchmischung.

Natürlich ist diese Durchmischung immer mehr oder weniger stark ausgeprägt, je nach geographischer Lage und Wanderungsbewegungen. Zudem scheint diese Tatsache ein gegenseitiges Einvernehmen des Austausches nahe zu legen, was jedoch eher selten der Fall ist: Vielmehr finden wir an der Schwelle zur Begegnung Konstrukte wie das „Eigene“ und das „Fremde“ vor. Sie ist von Neugier bis Abwehr, ja Feindseligkeit geprägt. Während jedoch in grauer Vorzeit diese Reserve gegenüber dem Neuen, dem Anderen durchaus noch evolutionäre Vorteile gebracht haben mag, ist dies heute nicht so. Denn unser Leben ist dazu viel zu vernetzt und weit über den Erdball gespannt. Darüber hinaus scheint die Gabe, mit dem Fremden umzugehen, auch seelisch begründet zu sein: Der in sich selbst Versicherte ist zu einem viel größeren Maße in der Lage, Fremdes zuzulassen und diesem offen zu begegnen. Anders jedoch der, der dies nicht ist: „Kleine Fremdheiten regen unsere Seelentätigkeit an“, sagt der Psychologe Wolfgang Schmidbauer, „mittlere fordern unsere ganze Verarbeitungsfähigkeit, übergroße führen dazu, dass wir das Fremde bekämpfen oder vor ihm fliehen.“ Das Fremde hat also immer etwas mit uns selbst zu tun. Es fordert uns heraus, uns selbst zu begegnen und bestenfalls Schritte zu unternehmen, diesem Anderen – allen inneren Widrigkeiten zum Trotz – offen zu begegnen. Denn das Andere ist immer ein Gewinn. Das Fremde erweitert unseren Horizont und zwingt uns, uns selbst und unser Verständnis des Normalen, Selbstverständlichen zu reflektieren. Am Ende sind wir durch das Neue bereichert: Nichts ist selbstverständlich!

Unterschiede trennen, Vielfalt verbindet uns. Die Sprache macht uns vor, was in der Wirklichkeit gespielt wird: Solange wir dasjenige, was uns vom anderen unterscheidet, ins Auge fassen, und zwar als das, was zwischen uns steht, haben wir auf die Unterschiedlichkeit gesetzt. Diese Perspektive begünstigt eine Trennung, ein Ausgrenzen. Sobald wir jedoch das Fremde als Teil eines bunten Spektrums betrachten, haben wir es mit etwas ganz anderem zu tun, mit etwas, das uns umgreift und zusammenführt: der Vielfalt. Dieser schillernde Begriff hat es in letzter Zeit zu einiger Berühmtheit gebracht. Die Tatsache, dass ihn nicht nur eine Nation für sich entdeckt hat, spiegelt sein englisches Pendant „Diversity“ wider: In der Weltsprache Englisch hat er seinen Platz ebenfalls gefunden. Hierzulande wird Diversity als „Diversität“, „Heterogenität“, „Vielheit“ oder eben als „Vielfalt“ verstanden – und gilt gleichzeitig als positive Wertschätzung dieses  Phänomens. Vielfalt ist dabei selbst vielfältig: Sie beschränkt sich nicht nur auf Ethnizität oder Nationalität, sondern schließt Geschlecht, Generation, körperliche und geistige Befähigung, Internationalität, sexuelle Orientierung sowie Religion und Spiritualität mit ein. „Alle diese Elemente werden im Diversity-Ansatz als unterschiedliche Kulturen gesehen“, sagt die Bremer Diversity-Expertin Dr. Béatrice Hecht-El Minshawi. Kulturelle Vielfalt ist also ein weiter Begriff, der jede Unterschiedlichkeit aufnimmt. Dieses breite Spektrum macht deutlich, dass jeder einzelne eine Vielzahl verschiedener Prägungen besitzt. Hecht-El Minshawi: „Jeder Mensch ist ein Mosaik kultureller Vielfalt.“

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