Stadt und Land – Sekt UND Selters?
Differenzierungsstrategien sichern Marktanteile für NGA-Betreiber
Kontinuierlich steigt der Bedarf an höherer Bandbreite. Gefordert ist nun das Marketing der NGA-Betreiber: Vom Erreichen eines erfolgskritischen Marktanteils bei gleichzeitig hoher Konversionsrate hängt maßgeblich die Profitabilität ab.
Seit dem unglaublichen Erfolg von James Camerons „Avatar“ spricht die ganze Welt von 3D-Filmen. Diese Technik stellt gleichzeitig zwei Bilder dar, die durch Brillen gefiltert werden, so dass das linke Auge ein anderes Bild als das rechte Auge sieht – das Gehirn erstellt aus diesen beiden Bildern ein dreidimensionales Gesamtbild. Die 3D-Technik soll in den nächsten Jahren auch für Heimanwendungen zur Verfügung stehen und benötigt fast die doppelte Menge an Daten, da beide Bilder dargestellt werden müssen.
Dieses Beispiel verdeutlicht nur einen Grund von vielen für den kontinuierlich steigenden Bedarf nach höheren Bandbreiten für Datenanwendungen. Regierungen weltweit haben diesen Trend erkannt und fördern ihn gezielt. Die deutsche Bundesregierung beispielsweise plant, dass bis 2014 für 75 Prozent der Haushalte Breitbandanschlüsse mit mindestens 50 MBit/s zur Verfügung stehen sollten. Die großen Anbieter dieser auf Glasfaser beruhenden „Next Generation Access“ (NGA)-Netze sind daher aufgefordert, den Netzausbau voranzutreiben.
Neben den technischen und operativen Herausforderungen des Netzausbaus kommt dem Marketing von NGA-Betreibern eine besondere Rolle zu, denn die Profitabilität wird im Wesentlichen vom Erreichen eines erfolgskritischen Marktanteils bei einer gleichzeitig hohen Konversionsrate abhängen. Studien zufolge liegt der für den profitablen Ausbau und Betrieb des schnellen FTTH (Fibre-to-the-Home)-Netzes notwendige Marktanteil in urbanen Gebieten Deutschlands bei zirka 25 Prozent. In ruralen Gebieten ist aber selbst für die langsamere FTTC (Fibre-to-the-Curb)-Technologie ein Marktanteil von mehr als 80 Prozent notwendig, bedingt duch die hohen Investitionen für den Ausbau der Glasfasernetze. Analysen zeigen, dass in Deutschland Investitionen von 70 Milliarden Euro und für Frankreich und Großbritannien immerhin noch 40 Milliarden Euro für den FTTH-Ausbau erforderlich sind.
Vor diesem ökonomischen Hintergrund kommt die technologieunabhängige Regulierung von Incumbents als erschwerende Bedingung hinzu. Es gibt keinen generellen Wettbewerbsschutz für Glasfasernetzbetreiber im Sinne von „Exklusivrechten und Exklusivzeiträumen für die Vermarktung“. Im Gegenteil, ein Incumbent, der bereits im klassischen Festnetz der SMP-Regulierung unterliegt, erhält die gleichen Auflagen in Bezug auf die Vermarktung seines Glasfasernetzes wie im klassischen Festnetz. Für ihn besteht dann unter anderem die Verpflichtung zur Öffnung der Vorleistungsschnittstelle, zum Beispiel Bitstream Access, Local Loop Unbundling, gegenüber alternativen Betreibern zu ex-ante oder ex-post regulierten Preisen.
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