Entscheidungen beschleunigen und verbessern
Somit ergibt sich für Ihre tägliche Arbeit folgende Gesamtsituation: Sie haben andauernd Entscheidungen zu treffen, von denen zumindest einige beträchtlichen Einfluss auf Ihren beruflichen Erfolg haben. Diese Entscheidungen treffen Sie aber nicht nur bewusst rational, sondern immer auch intuitiv. Und diese unbewusst-intuitiven Anteile sind eine ebenso große Chance wie Risiko. Damit ist die Entwicklung Ihrer professionellen Intuition kein netter Luxus, den Sie sich oder Ihren Mitarbeitern vielleicht gönnen, wenn Sie gerade nicht andere wichtige operative Aufgaben zu erfüllen haben. Es verhält sich vielmehr umgekehrt: Diese Entwicklung ist die Voraussetzung, Ihre Entscheidungen auf ein professionelleres Niveau zu heben, insbesondere in Zeiten steigender Komplexität, Dynamik und damit Risiken. Es gibt ein passendes Bild dafür: Schärfen Sie Ihre Axt, bevor Sie in den Wald gehen und Bäume fällen. Es wird ihnen leichter, schneller und besser gelingen, als wenn Sie mit einer stumpfen Axt auf dem nächsten Baum herum hacken, weil Sie glauben, Sie hätten es im Moment besonders eilig. Der abgewetzte Aktionismus ist nur sehr vordergründig eine Zeitersparnis.
In der Folge stellt sich zwangsläufig die Frage, ob ein Training Ihrer Intuition und der Ihrer Mitarbeiter überhaupt möglich ist. Und falls ja, wie. Um es kurz zu machen: Intuition kann trainiert und damit professionalisiert werden. Intuition kann einer Qualitätsverbesserung unterzogen werden. Das zeigen verschiedene empirische Forschungsarbeiten, in denen Versuchspersonen ein Intuitionstraining absolvierten und anschließend untersucht wurden. Der Grund dafür ist einfach: Die Qualität intuitiver Entscheidungen basiert auf verschiedenen Aspekten: Da wäre zunächst Ihre innere Haltung. So wie bei allen anderen Fähigkeiten auch spielt es eine wichtige Rolle, ob Sie an Ihre eigene Wirksamkeit glauben. Und ob Sie Intuition für eine professionelle Kompetenz halten oder für esoterischen Schnickschnack oder für legitim, solange es ums Privatleben geht, nicht aber im Berufsleben. Es ist bedeutsam, ob Sie davon ausgehen, dass Intuition in Ihrem beruflichen Umfeld ein „No-Go“ ist, oder ob Sie eine gute Ergänzung rationaler Analyse sein kann.
Des weiteren hängt Ihre Intuition maßgeblich von Ihrer Wahrnehmung und Achtsamkeit ab. Das gilt insbesondere dann, wenn es darum geht, das Unerwartete zu managen. Die beiden Organisationsforscher Karl Weick und Kathleen Sutcliffe haben in ihrem Buch „Das Unerwartete managen“ Organisationen untersucht, die einer besonders hohen Komplexität und Dynamik und damit unplanbaren Situationen ausgeliefert sind. Es handelte sich um Feuerwehren, Katastrophenschutzdienste, Intensivstationen, Flugzeugträger und dergleichen mehr. Die Ergebnisse fassten sie im Abschlusskapitel „Ein achtsames Management“ zusammen. Neben der inneren Haltung gegenüber professioneller Intuition, Wahrnehmung und Achtsamkeit spielt auch der anschließende Umgang mit der Intuition eine große Rolle: Was geschieht, wenn Sie Ihre Intuition wahrgenommen haben? Nehmen Sie sie ernst oder schieben Sie sie als lästigen Störfaktor zur Seite? Oder folgen Sie ihr einfach reflexhaft, ohne sie auf Stimmigkeit geprüft zu haben? Und natürlich ist es wichtig, welche Erfahrungen Sie bislang mit Ihrer Intuition im Beruf gesammelt haben. Konnten Sie sich bereits über wichtige Erfolge aufgrund intuitiver Entscheidungen freuen? Oder haben Sie eher intuitiv kräftig daneben gelangt?
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