Um auch das Prozessmanagement auf das F2M und in späteren Phasen auf das T2M auszurichten, bedarf es spezifischer Ansätze. Grundsätzlich lassen sich drei Ansätze für die Gestaltung von PLM-Prozessen ausmachen. Einer dieser Ansätze ist der klassische und weit verbreitete Stage-Gate-Prozess. Bei diesem Ansatz wird die Entwicklung eines Produkts von der Idee bis hin zur Markteinführung in mehrere einzelne Abschnitte (Stages) und Entscheidungstore (Gates) aufgeteilt. Mit jedem Abschnitt wird der Reifegrad des Entwicklungsvorhabens schrittweise vorangetrieben, bis eine Markteinführung möglich ist. Den Gates kommt dabei eine Entscheidungsrolle zuteil. Bei jedem Gate wird anhand formaler Kriterien geprüft, ob das Entwicklungsvorhaben aufgegeben wird, ein Prozessabschnitt wiederholt wird oder ein Fortschreiten mit dem nächsten Prozessabschnitt möglich ist.
Obwohl der Stage-Gate-Prozess weit verbreitet ist und eine breite Anerkennung genießt, birgt dieser Ansatz verschiedene Schwachstellen in sich. Während Abschnitte (Stages) einen prozessualen Charakter haben, sind Entscheidungstore (Gates), wie der Name schon verrät, Entscheidungspunkte, an denen festgelegt wird, wie mit dem Entwicklungsvorhaben fortgefahren wird. Die Entscheidungstore sind allzu oft starr und formal definiert; die Entscheidung wird meistens von einem Gremium getroffen, das in festgelegten Abständen tagt. Eine zeitliche Verzögerung des Entwicklungsvorhabens ist daher nahezu vorprogrammiert.
Eine vernünftige Alternative stellt das Konzept der Fuzzy Gates (übersetzt: verschwommene Entscheidungstore) dar. Damit einerseits der Entwicklungsprozess seine durchaus sinnvolle Formalität und den projektbezogenen Charakter beibehält, andererseits prozessuale Time-Lags ausbleiben, werden die Entscheidungstore “verschwommen“ gestaltet. Sollten formale Kriterien am Ende eines Prozessabschnittes den Zielvorgaben entsprechen, so kann eine Weiterentwicklung des Produktvorhabens fortgesetzt werden. Die formale Genehmigung des Entscheidungstores kann im Nachgang eingeholt werden. Das Fuzzy Gate-Konzept beinhaltet auch eine Verzahnung der Aktivitäten aus unterschiedlichen Prozessabschnitten. So kann zum Beispiel das Realisierungsteam in die Konzeptionsphase einbezogen werden, damit der Übergang zwischen einzelnen Abschnitten ohne Verzögerung verläuft. Der Fuzzy Gate-Ansatz ist in der Lage, eine gewisse Zeit der Produktentwicklung einzusparen, was heutzutage in einem unmittelbaren Konkurrenzvorteil resultieren kann.
Eine weitere Flexibilisierung des Stage-Gate-Prozesses ist der sogenannte Bounding Box (übersetzt: Rahmen)-Ansatz, bei dem einem kreativen Entwicklungsvorhaben keine Grenzen gesetzt werden. Bei einer Bounding Box sind vom Management klare Grenzen in Form von eindeutig kontrollierbaren KPIs vorgegeben. Bewegt sich das Entwicklungsvorhaben innerhalb dieser Grenzen, ist ein weiteres Fortschreiten ohne formale Gate-Vorgaben möglich. Erst beim Über- oder Unterschreiten der Grenzen, zum Beispiel eines Budgetrahmens oder eines vorgegebenen Qualitätskriteriums, wird das Gremium einberufen, das über die Zukunft des Entwicklungsvorhabens entscheidet. Der Bounding Box-Ansatz kommt oft bei radikalen Innovationen zum Einsatz, bei denen besonders vielversprechende innovative Produkte entwickelt werden.Weiter