Von hinten durch die kalte Küche
Datenintegration in der Cloud mit Anwendungen, von denen keiner wusste
Die Bereitstellung komplexer Unternehmenssoftware in der Cloud ist verführerisch für jeden Anwender. Ohne Investitionen, ohne Wartezeit und ohne IT Know-how erfüllt Software as a Service (SaaS) den Traum der Fachabteilungen: Die Applikation aus der Steckdose. Für IT-Verantwortliche entwickelt sich dagegen ein Albtraum. Überall in der Cloud entstehen Datentöpfe, strukturiert in divergenten Datenmodellen und inkompatiblen Schnittstellen. Der mühsam eingeführten Disziplin eines Enterprise Data Management droht das Verderben.
Es beginnt meist harmlos: Für eine schnell entwickelte Marketing-Kampagne im Rahmen einer Leitmesse ist das unternehmensweite CRM-System zur Verwaltung der Kontakte und Opportunities zu starr. Selbst, wenn es technisch machbar wäre – die Anpassung ist ja gar nicht im Budget vorgesehen. Mussten sich Azubis früher durch Stapel von Gesprächsnotizen wühlen und unendlich große Spreadsheets befüllen, gehen Marketingabteilungen inzwischen andere Wege. Denn die Cloud bietet schnelle Hilfe für kleines Geld: Kundenmanagement ist eine Paradedisziplin der SaaS-Angebote eworden, mit salesforce.com als prominentestem Protagonisten. In kürzester Zeit sind die Zugänge geschaltet und das Lead Management für die Messekampagne am Start.
Datenintegration in der Cloud – und zwar plötzlich
Der meist aus der Not heraus geborene Einzug von SaaS-Anwendungen ist in großen Unternehmen gang und gäbe. In der Regel findet er unter dem Radar der IT-Abteilung und deren Enterprise-Architekten statt. Hängt die Fachabteilung erst am Tropf der neuen Software, entwickeln sich schnell weitere Anwendungsfälle. Es wird manuell importiert, geskriptet und formatiert, was an Stamm- und Bewegungsdaten benötigt wird. Schließlich kapituliert die Fachabteilung vor der Handarbeit mit den monströsen Tabellen – und erkundigt sich scheinheilig beim CIO nach einer Schnittstelle zu den hauseigenen Anwendungen. Unverhofft steht die IT-Abteilung in dieser Situation vor zwei plötzlichen Herausforderungen: Kurzfristig muss ein automatischer Datenaustausch organisiert werden, der der losen Kopplung zwischen eigenen IT-Systemen und Cloud-Services Rechnung trägt. Langfristig stehen dagegen Integrität, Konsistenz und Transparenz von Unternehmensdaten auf dem Spiel, wenn die neuen Datentöpfe in der Cloud nicht der Datenarchitektur unterworfen werden. Dazu müssen die Konzepte der Datenklassifizierung, des Master Data Management und des Service Level Management auf das neue Paradigma der Software-Nutzung ausgeweitet werden.
Die IT-Architektur tut gut daran, sich offensiv sowohl mit taktischen als auch mit strategischen Konzepten für die hybride Erweiterung der Anwendungslandschaft in die Cloud auseinanderzusetzen. Taktische Integration: Welche Brücke führt am schnellsten in die Cloud? Die taktische Fragestellung nach einer schnellen und risikoarmen Datenintegration zwischen hauseigenen und Cloud-basierten Anwendungen kann durch zwei Lösungsansätze beantwortet werden. Ein Ansatz nutzt im Unternehmen vorhandene Integrationsplattformen und erweitert deren Reichweite in die Cloud. Alternativ können eine neue Kategorie an Produkten und Diensten zum Einsatz kommen, die speziell für die Integration Cloud-basierter Anwendungen entwickelt wurden.Weiter