Wertströme statt Bilanzen (TEIL III)
Liquidität 2. Grades und kurzfristiges Umlaufvermögen
In turbulenten Zeiten muss die Liquiditätssicherung ganz oben auf der Agenda stehen. Einige wenige, aber wesentliche operative Kennzahlen reichen bereits aus, um einen kräftigen Hebel in der Hand zu halten. Aufgabe des Controlling ist es dann, Ursachen und Wirkungen von Verbesserungsmaßnahmen transparent zu halten.
Forderungen bilden einen Teil des Umlaufvermögens auf der Aktivaseite der Bilanz. Wenn ein Unternehmen seine Leistung erbracht und die Rechnung gestellt hat, jedoch noch kein Zahlungseingang erfolgt ist, entstehen Forderungen aus L&L. Erfolgt der Zahlungseingang zu spät, fehlt dem Unternehmen Liquidität, weil sowohl Löhne und Gehälter als auch Lieferanten bezahlt werden müssen.
Eines der großen Probleme der Liquiditätssicherung insbesondere im zyklischen Geschäft, wie etwa dem Anlagenbau, besteht darin, dass Verbindlichkeiten mit Anlieferung des Vormaterials und unter Berücksichtigung der Zahlungsziele sofort fällig werden, die Forderung aber erst nach Faktura und Zugang beim Kunden entsteht. Dazwischen liegen Lagerdauer des Vormaterials, Auftragsdurchlaufzeit, Lagerdauer Fertigerzeugnis und die eingeräumten Zahlungsziele. Diese Problematik lässt sich durch das folgende Beispiel in Tabelle 2 detailliert darstellen: Hierbei kann das Zahlungsziel des Lieferanten in Höhe von 20 Tagen von der Gesamtdurchlaufzeit von 150 Tagen – gemessen von der Anlieferung des Materials bis zum Zahlungseingang des Kunden – natürlich abgezogen werden. Dadurch entsteht ein Vorfinanzierungsbedarf von 130 Tagen.
Der Umlaufkapitalbedarf sinkt, wenn Lagerdauer und Durchlaufzeiten reduziert werden. Somit ist die Erhöhung der Liquidität nicht allein Sache des Controllings, sondern liegt auch in der Verantwortung von Produktionsleitung, Einkauf und Logistik. Es ist daher etwa im Anlagenbau üblich, Kundenanzahlungen zu fordern. Zudem macht das Beispiel deutlich, dass kapitalintensive Fertigungsteile beziehungsweise Zulieferungen nach Möglichkeit erst kurz vor Fertigstellung in die Endmontage einfließen sollten (siehe auch Abbildung 3).
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