DMR Magazin - Logo and Navigation

content area

Wider die Grauen Herren
Schrift: - +
Bewertung abgeben:
(0 Bewertungen)

Wider die Grauen Herren

Entschleunigung kann Effektivität und Effizienz in Unternehmen positiv beeinflussen

Dr. Roland Keil, Ralph Hiob

Schneller, höher, weiter. Nur, wohin eigentlich? Wer schneller ist, ist nicht unbedingt besser. Zeitersparnis auf der einen und Effektivität und Effizienz auf der anderen Seite stehen nur vermeintlich in einem positiv korrelierten Zusammenhang. Der operativen Eile setzen wir Entschleunigung entgegen.

Gesellschaftskritische Beiträge beschäftigen sich schon seit längerem mit dem Prinzip der Entschleunigung. Der Alltag ist heute hauptsächlich von Hektik geprägt, was zu Belastungen des Einzelnen führt, die mehr und mehr physische und psychische Krankheiten nach sich ziehen. Entschleunigung im Sinne von Innehalten und Beachten der Eigenzeit wird angeraten, um die Gesundheit zu schonen und die Lebensqualität zu erhöhen.    

Was aber kann man mit diesem Begriff in der Unternehmenswelt anfangen, in der Geschwindigkeit doch gerade einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren ist? Wo man Entwicklungszeiten, Durchlaufzeiten und damit auch die Geltungsdauer organisatorischer Regelungen ständig verkürzt, um schneller als der Wettbewerber zu sein?    

Unsere Projekterfahrungen in der Telekommunikationsbranche zeigen: Eine ganze Menge! Bezieht man nämlich neben der Zeit selbst, in der Dinge erledigt werden, auch damit korrelierte Parameter wie Qualität und Transparenz mit ein, so wird oft genug deutlich, dass Geschwindigkeit und Zeitersparnis nicht zwingend zu einer Verbesserung der Effektivität und Effizienz in den Projekten führen.   

Reflektieren, was eigentlich los ist   

Entschleunigung bedeutet im einfachsten Sinne die Reduk­tion von Geschwindigkeit, also Verlangsamung beziehungsweise Langsamkeit. Dadurch ist jedoch noch nichts gewonnen, weder für die Effektivität geschweige denn für die Effizienz. Entscheidend ist der Qualitätsgewinn. Es geht also darum, im entscheidenden Moment nicht aus einem Selbstzweck heraus langsamer zu werden, sondern die Geschwindigkeit der Aufgabenstellung anzupassen. Entschleunigung ist damit die Bewegung eines Unternehmens beziehungsweise eines Projektes hin zu umfassender Wahrnehmung. Je komplexer die Aufgabe, umso eher besteht die Notwendigkeit der Entschleunigung.    

Bei der Auseinandersetzung mit der Entschleunigung als Mittel zur Steigerung von Effektivität und Effizienz betrachten wir ein Unternehmen oder Projekt als System, das be-schleunigt, über-schleunigt oder unter-schleunigt sein kann. Wird Beschleunigung als jede Veränderung an einem oder für ein System verstanden, so beschreibt die Überschleunigung den Zustand, in dem die Wahrnehmung für entscheidende Veränderungen und deren Konsequenzen eingeschränkt ist. Vom Zustand der Unterschleunigung kann gesprochen werden, wenn in dem System sehr viel mehr Energie vorhanden ist, als nach außen abgegeben werden kann.    

Weiter

Seite 1 Seite 2 Seite 3 Seite 4 Seite 5 Seite 6

marginal box area


footer area navigation